30. Mai 2006 12:26
Der nicaraguanische Dichter Ernesto Cardenal hat die Außenpolitik der USA scharf kritisiert. Er verglich George W. Bush mit Hitler.
Der nicaraguanische Dichter und suspendierte Priester Ernesto Cardenal hat die US-Regierung wegen ihrer Außenpolitik attackiert. «Der neue Hitler ist Bush», sagte der ehemalige Kulturminister Nicaraguas am Montag bei einem Poesiefestival in Costa Rica. Nach Ansicht des 81 Jahre alten Cardenal geht der «größte Staatsterrorismus in der Welt von den USA aus, die in ihrer Geschichte in 216 Länder eingefallen sind, darunter auch das meinige».
Der Terrorismus kann nach seinen Worten nur durch «mehr wirtschaftliche Gleichheit» besiegt werden. Der katholische Armenpriester Cardenal erlangte Berühmtheit, als er sich in den siebziger Jahren dem bewaffneten Befreiungskampf der Sandinisten gegen die Somoza-Diktatur in Nicaragua anschloss.
Von 1979 bis 1987 prägte Cardenal als Kulturminister das Gesicht der linksgerichteten Revolutionsregierung Nicaraguas im Ausland. 1980 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Wegen seines politischen Engagements wurde er 1985 vom Priesteramt suspendiert.
Am Montagabend erhielt Cardenal die Ehrendoktorwürde der Nationalen Universität von Costa Rica. Damit ehrte die Hochschule seinen «unermüdlichen Kampf für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt». Zuletzt veröffentlichte er die drei Memoirenbände «Verlorenes Leben», «Die Jahre in Solentiname» und «Die verlorene Revolution». (nz)