netzeitung.de«Du bist Deutschland»: Fortsetzung geplant

 Herausgeber: netzeitung.de

Die Stimmung in Deutschland habe sich wegen der viel diskutierten «Du bist Deutschland»-Kampagne deutlich verbessert, glaubt Bertelsmann-Chef Gunter Thielen. Im Herbst soll sie weiter gehen.

Die von der deutschen Medienwirtschaft initiierte und kontrovers diskutierte Imagekampagne «Du bist Deutschland» hat nach Auffassung ihrer Macher die Stimmung im Land wesentlich aufgehellt. «Die Kampagne ist ein Zeichen, dass man die Deutschen sehr wohl begeistern kann, etwas für ihr Land zu tun», sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Gunter Thielen, am Dienstag in Berlin. Thielen hatte im Jahr 2004 die Idee zu der größten nicht kommerziellen Werbeaktion in der deutschen Mediengeschichte geboren und 25 große deutsche Medienhäuser zum Mitmachen bewegt.

Thielen äußerte seine Zuversicht, dass das Projekt fortgesetzt werden könne. Bertelsmann werde sich jedoch wie geplant aus der Führung der Aktion zurückziehen. «Wir haben uns deutlich exponiert. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der andere das Projekt weiter vorantreiben müssen», sagte Thielen in einem Gespräch mit dpa in Berlin. «Bertelsmann wird nicht im Lead weitermachen.»

Der Gütersloher Medienkonzern habe als deutscher Branchenprimus in den vergangenen Monaten zwei Millionen Euro an Sachkosten in die Kampagne investiert. Die Sparten des Konzerns hätten einen großen Teil der Aktion getragen. Gut ein Drittel des Media-Volumens im Gegenwert von 32 Millionen Euro hätten Bertelsmann-Firmen wie RTL oder Gruner + Jahr bereitgestellt.

40 Prozent äußerten sich positiv
Nach Angaben des Marktforschungsinstitutes GfK haben 58 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre die seit fünf Monaten im Fernsehen, in Kinos, in Tageszeitungen und auf Plakatwänden laufende Kampagne bewusst wahrgenommen. Allein am Starttag 26. September 2005 hätten 17 Millionen Menschen die Erstausstrahlung des Fernseh-Werbespots auf neun Sendern gesehen, sagte Siegfried Högl von der GfK. «Die Kampagne hat einen positiven Beitrag zum Image Deutschlands hervorgerufen», sagte Högl. 40 Prozent der 2000 Befragten hätten sich positiv über die Kampagne geäußert, 28 Prozent negativ.

«Du bist Deutschland» habe dazu beigetragen, dass sich das Land «von einem gefühlten zu einem echten Aufschwung» bewegt, sagte Antonella Mei-Pochtler, Geschäftsführerin der Boston Consulting Group. Die Stimmung in Deutschland habe sich in den vergangenen fünf Monaten deutlich verbessert, glaubt auch Thielen. Dazu habe «Du bist Deutschland» beigetragen. «Es hat wohl nie eine konzertierte Aktion dieses Ausmaßes in der deutschen Wirtschaft gegeben.»

Kreis der Unterstützer ist angewachsen
Die Kampagne müsse in ihrer zweiten Phase nicht auf die Medienwirtschaft beschränkt bleiben. Thielen nannte das Automobilunternehmen Mercedes-Benz als eines der möglichen Zugpferde. Insgesamt hätten sich rund 1000 Unternehmen als Unterstützer der Kampagne bereit erklärt. «Der Kreis der Unterstützer ist zu einer großen, breiten Basis angewachsen.» Nach der zu Ende gehenden ersten Phase der Aktion soll es nach der Fußball-Weltmeisterschaft im Herbst eine Fortsetzung geben.

Kritiker hatten der Kampagne in den vergangenen Monaten vor allem eine zu stark nationalistische Ausrichtung vorgeworfen, aber auch die kitschige Sprache und widersprüchlichen Metaphern der verbreiteten Texte bemängelt. Die Texte riefen daher auch Satiriker auf den Plan. Im «Manifest» der Kampagne, an dem Prominente wie Günther Jauch, Katarina Witt oder Marcel Reich-Ranicki mitgewirkt hatten, heißt es unter anderem: «Schlag mit deinen Flügeln und reiß Bäume aus. Du bist der Flügel, du bist der Baum.» (nz)