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Lupe Andre Heller holt Afrika nach Deutschland

150 Artisten, Tänzer und Musiker aus Afrika haben in der aktuellen Zirkus-Show von Andre Heller in Frankfurt Premiere gefeiert. Für viele ist sie die Hoffnung auf ein neues Leben.

Von Jörn Bender

Nackte Füße stampfen auf dem Boden, zwei Dutzend Schwarze bewegen sich wild zur Bongotrommel. André Heller hat Afrika nach Deutschland geholt - mitten im Dezember. Bei der Weltpremiere seiner neuen Zirkusshow «Afrika! Afrika!» heizten am Mittwochabend die 150 beteiligten Artisten, Tänzer und Musiker aus ganz Afrika dem Publikum in Frankfurt ein. Die rund 2000 Gäste zeigten sich begeistert. Unter den Premierengästen war auch Topmodel Waris Dirie, deren Buch «Wüstenblume» über ihre Beschneidung und Flucht aus Somalia ein Weltbestseller wurde.

Die Zuschauer erlebten, dass auch in Afrika kein Kamel durch ein Nadelöhr geht, wohl aber ein ausgewachsener Artist durch den Rahmen eines handelsüblichen Tennisschlägers. Sie sahen, dass man auch mit acht Bällen problemlos jonglieren und auf einem Einrad perfekt Basketball spielen kann.

Klassische Zirkuselemente wie Menschenpyramiden und Hochseilartistik gehören ebenso zu dem zweistündigen Programm wie Tanzeinlagen zu afrikanischer Live-Musik. Sogar Breakdance macht Heller bühnenfähig - und erinnert mit einer Videoprojektion am Zeltdach an die jüngsten Krawalle in den von afrikanischen Einwanderern geprägten französischen Vorstädten.

«Mehr als Hunger, Armut, Korruption»
«Wir wollten den Menschen in Europa zeigen, dass der Kontinent mehr ist als Hunger, Armut und Korruption, wir wollten die afrikanische Lebensfreude in eine Show packen», sagt der 58-jährige Heller über sein neuestes Großprojekt.

Der Österreicher, der einen chinesischen Nationalzirkus ebenso managt wie das kulturelle Rahmenprogramm zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, gibt sich betont bescheiden: «Das ist keine Heller-Show, das ist »Afrika! Afrika!« von und mit Afrikanern.» Auch die Ausstattung soll das verdeutlichen: Teppiche im Berberstil schmücken die Zelte, afrikanische Kunst ist zu sehen, auf einem kleinen Markt werden handgefertigte Produkte feilgeboten.

«Das ist eine tolle Idee, zu zeigen, dass Afrika auch anders ist», sagt Alex aus Ruanda, der während des Gastspiels in Frankfurt bei «Afrika! Afrika!» als Kellner jobbt. «Doch die Show zeigt nur fünf Prozent von Afrika.»

Ablaufende Visa
Verborgen bleibt dem Publikum auch, dass die meisten Künstler nur sechs Monate dabei sein werden, weil dann ihre Visa ablaufen. In ihren Heimatländern warten schon viele auf die Gelegenheit, sich auf einer internationalen Bühne zu präsentieren - und so vielleicht dauerhaft Arbeit in Europa zu finden.

«Diese Show bietet uns die Chance, darauf aufmerksam zu machen, dass wir Hilfe brauchen: Wir brauchen Jobs», sagt Schlangenmensch Huit Huit, der als einer der wenigen den Sprung auf die Bühnen der Welt geschafft hat.

Kulturförderung
Kritik an dem Spektakel kontert Heller mit dem Hinweis, dass ein Euro je verkauftem Ticket in die Förderung afrikanischer Kultur fließen wird. «In Afrika gibt es zahllose Länder, die null Kulturbudget haben», sagt Heller. Am Tag der Premiere gründete er gemeinsam mit der Deutschen Unesco-Kommission eine Kultur-Stiftung für Afrika.

Zwei Jahre lang suchte Heller zwischen Mali und Marokko, von Ägypten bis nach Südafrika nach Mitstreitern für sein Projekt. Auf fünf bis sechs Millionen Euro bezifferte der Wiener Künstler die Kosten der Produktion.

Termine
Nach den Vorstellungen in Frankfurt (bis 4. Februar) kommt «Afrika! Afrika!» nach Hamburg (16.2.-16.4.), München (27.4.-24.6.), Berlin (5.7.-16.9.) und Düsseldorf (27.9.-18.11.). 2007 sind Gastspiele in Wien, Stuttgart, Zürich, Basel, Köln und Hannover geplant. (dpa)