«Systematische Verbrechen»: Nobelpreisträger attackiert USA:
Nobelpreisträger Pinter schimpft auf USA
07.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Harold Pinter
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Literatur-Nobelpreisträger Pinter hat die USA scharf angegriffen. US-Präsident Bush warf er «Staatsterrorismus» vor.
Der diesjährige Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter (75) hat den USA am Mittwoch systematische Verbrechen mit hunderttausenden Toten und der brutalen Unterjochung zahlreicher Staaten vorgeworfen. Der krebskranke britische Dramatiker sagte drei Tage vor der Verleihung der Nobelpreise in Stockholm in einer auf Video abgespielten Rede über die Politik Washingtons nach dem Zweiten Weltkrieg: «Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig.»
Die Invasion im Irak stufte Pinter als «Banditenakt» sowie einen «Akt von unverhohlenem Staatsterrorismus» ein, bei dem der Tod von mindestens 100.000 Irakern für US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair eine «bedeutungslose Lappalie» sei.
Ärzte haben Teilnahme an Zeremonie untersagtDer Autor hatte seine Rede am Wochenende unmittelbar vor seiner Einlieferung in ein Londoner Krankenhaus in einem TV-Studio eingespielt. Schon vorher hatten Ärzte ihm für Samstag die Teilnahme an der Verleihungszeremonie mit dem schwedischen König Carl XVI. verboten.
Pinter sagte in seiner einstündigen Rede, die USA hätten zahlreiche Länder durch eine Strategie der «asymmetrischen Kriegsführung» («Low Intensity Conflict») unterjocht. Auch dabei seien tausende von Menschen gestorben, aber nicht auf einen Schlag wie mit einer Bombe. «Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut, wie der Faulbrand erblüht», so Pinter.
Kriegsverbrecherprozess gegen Bush verlangtDer Nobelpreisträger verlangte wegen der Invasion im Irak einen Kriegsverbrecher-Prozess gegen US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.
Dem mit Theaterstücken wie «Der Hausmeister» (1960) berühmt gewordenen Dramatiker war der mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Nobelpreis im Oktober zuerkannt worden. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung damit, dass Pinter «in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt hat und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen ist». (nz)