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Die diskrete Erotik der Kastraten

23. Nov 2005 21:51
Die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli
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Wie es vor 300 Jahren Komponisten in Rom gelang, die Zensur der katholischen Kirche auszutricksen, zeigt Cecilia Bartoli auf ihrem Album «Opera Proibita». Eine Kostprobe davon gab sie in der Berliner Philharmonie zum Besten.

Von Corina Kolbe

Männer, die keine richtigen Männer mehr waren, sangen so inbrünstig vom Triumph der Keuschheit über die Lust, dass es den Zuhörern Schauer über den Rücken jagte. In den ersten zehn Jahren des 18. Jahrhunderts waren öffentliche Opernaufführungen in Rom verboten: Dem Papst waren derlei Spektakel zu sündig. Komponisten wie Händel, Scarlatti und Caldara fanden jedoch einen Weg an der Zensur vorbei - und das sogar mit Hilfe einiger Kardinäle.

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  • Bartoli: Klassik nicht zähmen! 29. Okt 2003 08:36, ergänzt 11:02
  • Mit wieder entdeckten Kastraten-Arien aus einer Zeit, in der geistliche Oratorien quasi zum Opernersatz wurden, begeistert die italienische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli auch das heutige Publikum. Eine Auswahl ihrer Fundstücke hat sie am Dienstagabend in der Berliner Philharmonie präsentiert - anders als für die Frauen damals im päpstlichen Rom gilt für sie schließlich kein Auftrittsverbot.

    Bartolis waghalsige Koloraturen zeigen, welch heftige Emotionen unter der frommen Oberfläche der «melodrammi sacri» lauern, wenn etwa in der Caldara-Arie «Sparga il senso lascivo veleno» die Wollust vergeblich versucht, ihr Gift gegen die Keuschheit zu versprühen. Die Römerin beeindruckt aber längst nicht nur mit rasanten Partien voller Sinnlichkeit und Lebenslust, sondern auch mit gefühlvollen Piani.

    Zu den schönsten Stücken ihres Albums «Opera Proibita», die Bartoli in Berlin vortrug, gehören sicherlich Händels berühmte Arie «Lascia la spina...», «Caldo Sangue» aus Scarlattis «Zedekia, König von Jerusalem» sowie die mit viel Vibrato verzierte Arie «Vanne pentita a piangere» aus Caldaras «Triumph der Unschuld». Darin umwirbt die edle Melantia in einem Kloster leidenschaftlich einen jungen Mönch – nicht ahnend, dass es sich eigentlich um eine verkleidete Frau handelt. Eine weitere Pikanterie, die zeigt, wie die Musik damals die strengen Sitten der Kirche unterlaufen konnte.

    Begleitet wurde Bartoli in der Philharmonie von dem Orchestra La Scintilla, einem Ensemble für Alte Musik an der Oper Zürich. Die Musiker mit ihrer Konzertmeisterin Ada Pesch brillierten vor allem mit einigen Bläser-Soli, hatten insgesamt aber weniger Schwung und Präzision als Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski, mit denen Bartoli für ihre CD ins Aufnahmestudio gegangen war.

    Cecilia Bartolis Album «Opera Proibita» ist bei Decca/Universal erschienen.

     
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