netzeitung.deLetzter Walzer vor dem Palast der Republik

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Palast der Republik (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Palast der Republik
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Vor dem Palast der Republik versammeln sich noch einmal Demonstranten und «Todestrommler». Sie protestieren gegen den lange beschlossenen Abriss des Gebäudes, der schon bald beginnen soll.

Im Januar soll der Berliner Palast der Republik nun endgültig abgerissen werden, und noch einmal regt sich erbitterter Widerstand. Am kommenden Samstag soll eine Demonstration vom Alexanderplatz zum Palast auf das Anliegen der Abrissgegner aufmerksam machen. Zu den Demonstranten werden die Politiker Hans-Christian Ströbele (Grüne), Petra Pau (Linkspartei) gehören und auch der Film- und Theaterregisseur Leander Haussmann.

Die Initiative, die außerdem mit «Todestrommeln», einem «letzten Walzer» und mehreren Partys für den Erhalt des Palastes eintritt, bezeichnet sich als unabhängig von politischen Parteien und staatlicher Förderung. Ihr Ziel ist es, den Palast weiterhin für Kulturveranstaltungen zu nutzen, bis eine dauerhafte «realistische Konzeption» für die Zukunft entwickelt worden sei.

Voraussetzungen von 2002 hinfällig
Viel billiger als ein Abriss des Gebäudes und der anschließende Wiederaufbau des Schlosses (670 Millionen Euro) sei eine «Reaktivierung» des Palastes, die mit 20.000 Tonnen Stahl und Baukosten in einer Höhe von 60 Millionen Euro zu bewerkstelligen sei.

Wie Bruno Flierl, der Architekturgeschichtler und Vater des amtierenden Berliner Kultursenators Thomas Flierl (Linkspartei) ist, am Dienstag auf einer Pressekonferenz sagte, seien alle Vorraussetzungen, die im Jahr 2002 im Bundestag zu der Entscheidung geführt hätten, das Schloss wieder zu errichten, mittlerweile nicht mehr gegeben.

Schandfleck im Herzen Berlins
«Wenn Parlamente und Regierung nicht bereit sind, ihre Politik an den Interessen der Menschen zu orientieren,» so Flierl «dann muss politische Vernunft durch außerparlamentarische Opposition und Demonstrationen durchgesetzt werden.»

Anderer Meinung ist der Bundesbauminister Manfred Stolpe (SPD. Er hatte im Sommer einen Aufschub des Abrisses abgelehnt und stattdessen eine Machbarkeitsstudie für den Neubau mit einer Rekonstruktion der historischen Barockfassade vorgelegt.

Stolpes Sprecher bestätigte nun noch einmal die Haltung des Ministers: «Damit sind wir endlich auf einem guten Weg, diesen Schandfleck im Herzen Berlins zu beseitigen ... Die Bundesregierung treibt die Arbeiten voran, und dazu gehört auch der baldige Abriss.» Es liegen, wie bekannt wurde, bereits die Angebote von 15 Abrissfirmen vor, die für einen möglichen Abriss im Januar in Frage kämen. (nz)