netzeitung.deGeschwister-Scholl-Preis für Necla Kelek

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Die türkisch-deutsche Soziologin und Autorin Necla Kelek erhält in diesem Jahr den Geschwister-Scholl-Preis. Kelek, so die Jury, streite in ihrem Buch «Die fremde Braut» für die Rechte türkischer Mädchen und Frauen.

Die türkisch-deutsche Soziologin und Autorin Necla Kelek erhält den Geschwister-Scholl-Preis 2005. Geehrt wird sie für ihr «zorniges, aufrüttelndes» Buch «Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland».

Es handle sich um «eine Streitschrift gegen den archaischen Sittenkodex der Zwangsheirat, für einen besseren Schutz der Opfer arrangierter Ehen und für das Recht auf selbstbestimmte Lebensführung», begründete die Jury am Donnerstag ihr Votum. Kelek, 1957 in Istanbul geboren, habe sich dabei auf Erfahrungen ihrer eigenen Lebensgeschichte gestützt.

Das Preisgeld beträgt 10 000 Euro. Die zum 26. Mal verliehene Auszeichnung wird am 14. November bei einem Festakt in der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität überreicht.

Falsch verstandene Toleranz?
Weiter erklärte die Jury: «Necla Kelek konfrontiert uns mit Verstößen gegen die Grundrechte von türkischen Bürgerinnen, die mitten unter uns leben, und somit auch mit einer Frage, die ebenso unbequem wie unumgänglich ist: Wo verläuft in Deutschland die Grenze zwischen gebotenem Respekt vor kultureller Differenz und falsch verstandener Toleranz?» Mit dem Einblick in die Zwangsverheiratung und ihre Folgen streite die Autorin für die Rechte türkischer Mädchen und Frauen.

Der Preis wird von der Stadt München und dem bayerischen Landesverband im Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Christa Wolf, Reiner Kunze, Rolf Hochhuth und im vergangenen Jahr die französische Autorin Soazig Aaron. In ermutigender Weise soll die Auszeichnung die Erinnerung an die Zivilcourage von Hans und Sophie Scholl wach halten, die als Mitglieder der «Weißen Rose» ihren Widerstand gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten 1943 in München mit dem Leben bezahlten.

Mit dem Preis wird jedes Jahr ein Buch ausgezeichnet, das «von geistiger Unabhängigkeit zeugt, das geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben». (nz)