Historiker fordert Ende der Nitzsche-Debatte: 

netzeitung.deProbleme lösen statt Scheinschlachten führen

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Nitzsche-Website mit Wahlslogan (Foto: nz (screenshot)<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nitzsche-Website mit Wahlslogan
Foto: nz (screenshot)
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In der Debatte um den Slogan «Arbeit, Familie, Vaterland» des CDU-Politikers Nitzsche sieht der Historiker Wolffsohn eine «scheinheilige Scheinschlacht». In der Netzeitung fordert er, sich mit den «wirklichen Problemen» zu beschäftigen.

Von Michael Wolffsohn

Deutschlands Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind seit Jahren gelähmt. Es wird Zeit, dass sich dieser Staat mit seinem Problem-Himalaja beschäftigt, statt scheinheilige Scheinschlachten zu führen, zumal viele rot-grüne Politiker mehr als andere zuvor den Begriff «Patriotismus» seit 1998 inflationieren.

Dieselben Politiker hatten mich zuvor seit Jahrzehnten angegriffen, weil ich «den Deutschen» einen aufgeklärten, zurückhaltenden (!) unpolternden, nicht-wilhelminisch- tolpatschigen Patriotismus «von innen» und eben nicht nach und gegen außen empfohlen hatte.
Unbedeutender Hinterbänkler
Nie vor Gerhard Schröder und Joschka Fischer hat die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland so knallhart und provokativ die vermeintlich nationalen deutschen Intetessen durchgeboxt.

Henry Nitzsche ist ein unbedeutender Hinterbänkler, der vorgeschoben wird, um von den wirklichen Problemen abzulenken und Scheinfronten aufzubauen.

Deutschland hat offiziell fünf Millionen Arbeitslose. Die inoffiziellen Zahlen sind höher. Braucht Deutschland keine Arbeit?

Was ist Vaterland?
Ohne Familie weniger Glück. Zur Familie gehören neben den Eltern Kinder. Deutschland vergreist, die Deutschen haben zu wenig Kinder. Braucht Deutschland keine Familien und keine bessere Familienpolitik? Sollen, wollen die Deutschen auf ihr Lebensglück verzichten?

Vaterland: Das ist das Land, in dem die Familie (!) einen zur Welt brachte, wo man groß wurde, lebt und arbeitet (!) und für das man sich einsetzt, weil es das eigene Land ist, für das man sich einsetzt, damit es lebenswert wird oder bleibt - ohne damit die Vaterländer Anderer herabzusetzen.

«Nazis? Nein Danke!»
Wenn es regnet und auch die NPD das feststellt, wird aus Regen kein Sonnenschein. Oder wollen wir alten und neuen Nazis das Monopol auf Arbeit, Familie, Vaterland überlassen?

«Nazis? Nein Danke!»

Wenden wir uns also wieder den wirklichen Problemen zu.

Michael Wolffsohn, 1947 in Tel-Aviv (Israel) geboren, ist Historiker und Politikwissenschaftler und lehrt an der Universität der Bundeswehr in München Neuere Geschichte.