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Weltjugendtag: 

Sie kommen, um zu arbeiten

16. Aug 2005 07:10
25.000, meist jugendliche Freiwillige aus der ganzen Welt sorgen für das leibliche Wohl der Teilnehmer des Weltjugendtags. Die meisten arbeiten der Gemeinschaft wegen als Helfer.

Von Inga Rapp

«Venimus adorare eum, Immanuel» klingt es durch die Leverkusener BayArena. Es ist die lateinische Version des Mottos «Wir sind gekommen, um Ihn anzubeten». Strahlende Augen und lachende Gesichter sind zu sehen, auf den Rängen wird geklatscht und getanzt. 16.000, also mehr als zwei Drittel aller ehrenamtlichen Helfer sind ins Stadion gekommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Die meisten von ihnen sind Katholiken, aber auch einige Protestanten sind dabei. Sogar der eine oder andere bekennende Atheist findet sich unter den Helfern.

Allein 1.000 Teamleiter werden gebraucht, um die Freiwilligen zu koordinieren. Sie sind bereits einige Tage früher angereist, um sich mit ihren Aufgabenbereichen vertraut zu machen und die Schulung ihrer Teammitglieder vorzubereiten. Schon vor einem Jahr kamen die ersten der 139 Langzeitfreiwilligen in Köln an. Sie haben in den letzten Monaten im Weltjugendtagsbüro gearbeitet und in Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Kräften die Massenveranstaltung organisiert.

Die Herausforderung annehmen

So fröhlich wie an diesem Sonntag war die Stimmung in der letzten Zeit allerdings nicht immer. Viele große und kleine Hindernisse mussten bewältigt werden, und vielen Ehrenamtlichen wurde zuerst einmal Geduld abverlangt. Elizabeth aus Tschechien wusste bis vor zwei Wochen nicht, wann sie sich auf den Weg nach Deutschland machen würde. Erst Anfang August erhielt die 20-Jährige die Nachricht, wann sie in Köln erwartet wird. Innerhalb von wenigen Tagen musste sie ihre Reise organisieren, und erst nach ihrer Ankunft erfuhr sie, dass sie als Helferin bei der Katechese eingesetzt wird.

Die 18-jährige Lena aus Hannover war vor allem über ihr Quartier überrascht. «Es hat vorher geheißen: Schulen oder Turnhallen, also irgendwas mit festem Dach über dem Kopf.» Nun sollte sie gemeinsam mit 5000 anderen Freiwilligen auf einem Zeltplatz schlafen – und das nach gerade überstandener Mandelentzündung.

Teamleiter Sebastian ist mit vielen anderen für die Essensausgabe zuständig. Als er davon erfuhr, war er enttäuscht, denn er hatte als ausgebildeter Rettungsassistent fest mit einem Einsatz im Sanitätsbereich gerechnet. Doch nach ein paar Tagen Bedenkzeit entschied sich der 30-Jährige, seine Bewerbung trotzdem aufrecht zu erhalten. Nun klingelt sein Handy im Drei-Minuten-Abstand, fast akrobatisch jongliert er mit Zahlen, Orten und Namen. Sein Problem: Wenige Tage vor Beginn des Weltjugendtags hat er noch zu wenig Mitarbeiter. Laut Datenbank ist sein Team zwar vollständig, aber nicht alle haben ihr Kommen bestätigt.

Per SMS Freiwillige organisieren

Vielen seiner Teamleiter-Kollegen geht es nicht anders. Alles in allem bräuchten sie etwa dreimal so viel Helfer, als derzeit zur Verfügung stehen, ist zu hören. Nun wird telefoniert, um neue Helfer zu rekrutieren, Listen werden täglich mehrfach aktualisiert, und selbst nachts noch werden via SMS neue Absprachen für den nächsten Morgen mitgeteilt. Sebastian und seine Kollegen sind beinahe rund um die Uhr im Einsatz. Zwei Tage später ist die Essensausgabe gesichert.

Warten auf das Matching

Viele Freiwillige vermuten allerdings noch einen ganz anderen Grund für den plötzlichen Schwund an Helfern: die lange Dauer des so genannten «Matchings», also der Einteilung der Freiwillige in ihre Einsatzbereiche. Geplant war ursprünglich, bereits im Juni die E-Mails mit den Informationen versenden zu können, de facto wurde es bei vielen Anfang August, bis sie eine Benachrichtigung erhielten. Zeit genug, um darüber nachzugrübeln, ob man wohl tatsächlich gebraucht wird beim Weltjugendtag, oder ob man einfach in der Einteilung vergessen wurde.

«Wir haben Software dafür neu entwickelt», sagt Christoph Wild dazu. «Andere Unternehmen brauchen zwei Jahre, um zu testen, danach wird neu geschrieben und dann noch mal zwei Jahre getestet. Wir mussten unsere Software innerhalb von zwei Jahren entwickeln, die dann aus dem Stand funktionieren musste, das klappt bei keiner Software.»

Darüber hinaus werden manche Freiwillige in Bereichen eingesetzt, in denen die Teams handverlesen sein müssen. Helfer werden zum Beispiel bei der Begleitung von Behinderten eingesetzt. Hier arbeiten Pflegekräfte, Pädagogen und Handwerker in einem Team zusammen. Zwei Wochen vor Beginn der Veranstaltung fehlten daher noch etwa 2000 Helfer. Spontan wurde eine Meldestelle zur Nachregistrierung eingerichtet, und schließlich kamen genügend Kurzentschlossene zusammen.

Arbeiten für die Gemeinschaft

Spätestens wenn die meist jugendlichen Freiwilligen die rote Jacke tragen, die sie als ehrenamtliche Helfer ausweist, ist auch die Begeisterung da. Bengta aus Cuxhaven, 19 Jahre alt, strahlt und freut sich vor allem über die Begegnung mit anderen jungen Leuten, die zu Teil weite Wege auf sich genommen haben, um beim Weltjugendtag dabei zu sein: «Bei uns in der Unterkunft haben wir Leute aus zwölf Nationen. Jeder kocht abends mal ein typisches Gericht aus seinem Land, dann sitzen alle zusammen und singen Lieder: Alle in einer anderen Sprache, aber alle dasselbe Lied.»

Dominique aus Köln weiß ganz genau, was sie motiviert, den Stress der freiwilligen Arbeit auf sich zu nehmen: «Es verschafft ein Stück Unabhängigkeit, selber helfen zu können. Als blinder Mensch muss ich häufig einfordern, dass andere etwas für mich tun. Mein Einsatz hier zeigt mir deutlich, dass ich Eigenleistung erbringen kann und nicht immer einfordern muss, dass nur andere etwas für mich tun», sagt der 27-Jährige.

Cool und glücklich

Doch auch für Dominique ist das Wesentliche am Weltjugendtag die Gemeinschaft: «Die Jugend der Welt trifft sich, um den Glauben zu feiern, um Glauben zu erleben in der Gemeinschaft. Dieses Gefühl lässt sich nicht beschreiben, wenn man es nicht erlebt, so wie es für mich unmöglich ist, die Schönheit von Farben wirklich zu begreifen.»

Sebastian freut sich schon jetzt auf das befriedigende Gefühl, etwas geleistet zu haben, was anderen Freude macht: «Bei mir muss sich kein Papst bedanken und auch kein Kardinal. Für mich ist wichtig, dass ich irgendwann jemanden treffe, der sagt: Auf dem WJT war's cool, und das Essen hat ganz okay geschmeckt und ich war eigentlich glücklich.»

Für Alexandra, eine 26-jährige Studentin aus Russland, sind die freiwillige Mitarbeit an diesem Weltjugendtag und das Erlebnis der Gemeinsamkeit hingegen kein Selbstzweck. «Ich freue mich, dass viele Leute hierher kommen, mit denen ich über den Glauben sprechen kann und mit denen ich meine Erlebnisse teilen kann: Die Freude, dass wir alle gekommen sind, um Ihn zu sehen – nicht den Papst, sondern Christus.»

 
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