Nobelpreisträger Saul Bellow ist tot
Kritiker würdigten Bellow als bedeutenden Chronisten amerikanisch-jüdischer Intellektualität. Zu seinen literarischen Verdiensten gehörte die Schaffung eines stark intellektbetonten Heldentyps.
Nach dem Studium der Sozialwissenschaften und der Anthropologie arbeitete Bellow zunächst als Universitätsdozent. Den Durchbruch zu einer großen Schriftstellerkarriere schaffte er im Alter von 29 Jahren mit dem Kurzroman «Der Mann in der Schwebe». Als 1953 sein Buch «Die Abenteuer des Augie March» erschien, kürte die US-Kritik den fast 800 Seiten umfassenden Roman zum bedeutendsten literarischen Werk des Jahres.
1965 kam sein tragikomischer Roman «Herzog» heraus, den viele für sein bestes Werk halten. Zehn Jahre später erreichte Bellow mit «Humboldts Vermächtnis» den Höhepunkt seines Ruhms. Der Autor habe mit diesem Roman um die Zweifel eines Intellektuellen an seiner Gesellschaft tiefes «menschliches Verständnis» bewiesen, lobte die Schwedische Akademie in Stockholm, die Bellow dafür den Nobelpreis verlieh.
Der langjährige Universitätsprofessor schrieb bis ins hohe Alter, sein letztes Buch, «Ravelstein», erschien im Jahr 2000. Bellow war fünf Mal verheiratet und hinterlässt neben drei Söhnen auch eine fünfjährige Tochter. Sein Anwalt und Freund Walter Pozen berichtete, Bellow sei zwar krank, aber «bis zu seinem Ende wunderbar klar» gewesen. Der Schriftsteller sei im Beisein seiner Frau und seiner Tochter in seinem Haus in Brookline im US-Staat Massachusetts gestorben. (nz)
