Team America:
Puppen unter Kamasutrazwang
30. Dez 2004 07:47
 | Das "Team America" | Foto: Paramount |
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«Team America: World Police» ist nicht nur eine Satire über Hollywood, Islamisten und die amerikanische Außenpolitik. Die Macher bedienen damit ihre alte Klientel: Den South Park Republican.
Von Martin Conrads«You sent me to Afghanistan? You Bastards!»; «You sent me to Iraq! You Bastards!». Aufnäher mit diesen Sätzen, auf welchen Charaktere der Cartoon-Serie «South Park» – wie Kyle, Kenny oder Cartman – abgebildet sind, waren in den letzten Wochen, neben ferngesteuerten Panzern, der Renner auf den Weihnachts-Wunschlisten in den USA. Suchgebote im Internet lassen vermuten, dass die Aufnäher dabei nicht so sehr bei einer minderjährigen Comedy-Zielgruppe beliebt sind, als vielmehr bei jenen, die sich aufgrund eines eher unfreiwilligen Auslandsaufenthaltes mit den South Park-Figuren identifizieren müssen: «Ich suche einen Cartman-Aufnäher für meinen Schwager. Er muss nämlich bald in den Irak», heißt es da, oder: «Haben Sie auch einen für Kuwait? Ich habe dort einen Neffen bei der Delaware Guard.»
Dabei ist der soldatische Witz pro Aufnäher und Abbildung durchaus ein verschiedener, und er vermittelt sich nur bei genauer Kenntnis der Serie: Denn wo Kyle mit seinen Freunden und gemeinsam mit der amerikanischen Armee gegen islamistische Terroristen in Afghanistan kämpft oder Cartman in einer anderen Folge das Weihnachtsfest in den Irak exportieren will, beide aber nach versehenem Job wieder unversehrt in die Heimat zurückkehren dürfen, ist es schließlich Kenny, der, dem Ausruf der anderen, «O mein Gott, sie haben Kenny umgebracht! Diese Bastards!» vorauseilend, bisher noch in fast jeder «South Park»-Folge getötet wurde.
Die Schaffung des South Park Republican
Dass die beiden Erfinder der Serie, Matt Stone und Trey Parker, mit ihren «South Park»-Episoden bislang sehr schnell auf politische Ereignisse zu reagieren wussten, wird dadurch bewiesen, dass die erwähnte Afghanistan-Folge bereits im November 2001 ausgestrahlt wurde, die Irak-Episode schon im Dezember 2002. Die Idee amerikanischer Kolumnisten, im Umkehrschluss den Krieg in Irak mit einer schlechten «South Park»-Episode zu vergleichen, erfährt einen radikalen Schub erst durch die nicht unwahrscheinliche Vorstellung, nach der sich amerikanische Soldaten mit Kenny-Aufnäher an ihrer Außer-Dienst-Kleidung im Frontkino von Bagdad den neuen Film von Stone und Parker ansehen: «Team America: World Police».«Team America: World Police» ist nach der Präsidenten-Sitcom «That’s My Bush!», die in Deutschland unter dem Titel «Hier kommt Bush!» im letzten Jahr weitgehend unbeachtet auf «RTL II» lief, Stones und Parkers Versuch, mit gleichem Witz, doch anderer Technik, dort an den Erfolg von South Park anzuknüpfen, wo die Serie eine neue Gattung des homo politicus schuf: Den «South Park Republican» (SPR). Dieser von dem Journalisten Andrew Sullivan erfundene Begriff bezeichnet nichts anderes als jene junge konservative «South Park»-Zielgruppe, die sich durch die in der Serie – im doppelten Sinn – vorgeführten Werte nicht demaskiert, sondern belustigt und unterhalten fühlt. Wo also «South Park» wegen seiner rassistischen, antisemitischen, homophoben, sexistischen oder skatologischen Elemente gerügt wurde, sieht sich der SPR nur bestätigt.
Stars als Marionetten
Der «Team America Republican» dürfte sich vom «South Park Republican» nur unwesentlich unterscheiden: Nicht nur, dass auch «Team America: World Police» mit rassistischen, homophoben und sexistischen Attitüden spielt. «South Park»-Folgen wie «Osama hat nix in der Hose» haben Teile des Scripts bereits vorausahnen lassen. Überraschend ist «Team America» daher weniger wegen seines Witzes, als vielmehr aufgrund seiner Machart: Stilistisch ist der Film auch eine Parodie auf die britische TV-Serie «Thunderbirds» aus den sechziger Jahren. So haben Stone und Parker diesmal statt Zeichentrickfiguren Marionetten auffahren lassen, die, trotz ihrer hölzernen Puppenkistengestik, mit einer erstaunlich lebendigen, motorgetriebenen Mimik ausgestattet sind.Gleichzeitig ist der Film nicht nur eine Parodie auf Blockbuster der jüngeren Filmgeschichte, wie sie etwa von Jerry Bruckheimer («Top Gun», «Armageddon», «Black Hawk Down», «Pearl Harbor» etc.) geschrieben wurden, oder auf populäre TV-Serien wie «Power Rangers», «A-Team» oder «Captain Power». Vielmehr stellt der Film einen aufwendigen Low-tech-Kommentar zu jener Phantasie dar, nach der in absehbarer Zeit alle Hollywood-Schauspieler durch Computeranimationen ersetzt sein werden: Bereits in der Eröffnungsszene beendet eine Marionette einen im Matrix-Stil geführten Kampf mit einer aus Computerspielen bekannten Stimmlage und den Worten: «You Lose!»
Die Seele einer Kakerlake
So viel Satire kann nur dann funktionieren, wenn auch die erzählte Geschichte die Dimension einer weltpolitischen Parodie hat – in diesem Fall ist es der «Krieg gegen den Terrorismus». Obwohl der Film in den USA bereits Mitte Oktober, also noch vor den Präsidentschaftswahlen, anlief, kommen keine realen amerikanischen Politiker in ihm vor. Das macht die Bush-Befürworter Stone und Parker aber noch lange nicht zu Pazifisten: Auf der Suche nach der Quelle der Massenvernichtungswaffen, mit denen islamistische Terroristen einen großen Anschlag planen, heuert die Spezialeinsatztruppe «Team Amercia» den Broadway-Star Gary Johnston an, der durch seine schauspielerischen Leistungen zum arabisierten Undercover-Agenten prädestiniert erscheint. Eine kurzweilige Filmstunde später – Eiffelturm, Triumphbogen, Louvrepyramide, die Sphinx von Gizeh und der Panamakanal, sowie Dutzende ertrunkener, explodierter oder erschossener Puppen haben längst dran glauben müssen – droht eine von der tumb-linksliberalen Schauspielergewerkschaft «Film Actors Guild» («F.A.G.») initiierte Weltfriedenskonferenz im Palast von Kim Jong Il zum Fanal für die dort versammelte Weltgemeinschaft zu werden.
 | Kim Jong Il | Foto: Promo |
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Der nordkoreanische Diktator wirft Hans Blix, als dieser ihn als den gesuchten Zulieferer enttarnen will, unversehens seinen Haien zum Fraß vor. Dass er nicht auch noch die Weltherrschaft an sich reißt, kann nur noch durch Gary und bleischweren Kill-Bill-Patriotismus verhindert werden. Der Diktator wird schließlich ausgerechnet auf der Pickelhaube des deutschen Monarchen aufgespießt. Dass die aus seinem Mund entfleuchende Seele Kim Jong Ils in Form eines Kakerlak ein Miniraumschiff besteigt, um unter Flüchen abzuzischen, weckt den Verdacht auf eine Fortsetzung der Geschichte.
I'm so ronery
Zwischen all dem wird man, und dies den Umständen entsprechend nicht schlecht, durch eine minutenlang kotzende Marionette, zwei heterosexuelle Puppen unter Kamasutrazwang, groteske Dialoge in der Tradition des absurden Theaters oder den kurzen Auftritt einer Michael Moore-Puppe unterhalten. Und obwohl Matt Stone sogar als ehemaliger Schüler der Columbine High School in «Bowling for Columbine» interviewt wurde, kommt Moore in «Team America» nicht ungeschoren davon: Dass er zuerst als verfressener Demagoge auftaucht, um kurz darauf, mit einem Sprengstoffgürtel bewaffnet, sich und das sich in Mount Rushmore befindliche «Team America»-Hauptquartier in die Luft zu sprengen, dürfte als eine Rache dafür zu verstehen sein, dass der als Teil von «Bowling for Columbine» gezeigte Cartoon-Film «A Brief History of the United States of America» dem «South Park»-Stil zwar authentisch nachempfunden, jedoch tatsächlich, und am Rande des Plagiats, von Harold Moss gezeichnet worden war.
 | Islamisten in Paris | Foto: Paramount |
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Nicht nur Szenen wie die mit Michael Moore, sind in den amerikanischen Medien bereits heftig diskutiert worden. Vor allem streitet man sich um die bereits aus «South Park» bekannten rassistischen Stereotypen, deren Reproduktion Kritiker den Machern von «Team Amercia» vorhalten. Jennifer Fang etwa, Kolumnistin der von und für asiatische Migranten publizierten «Asian Media Watch» beobachtete in dem Film eine rassistische Agitation gegen Araber und Asiaten, die konkrete Auswirkungen auch auf ethnische Minderheiten in den USA haben könnte. Dass, wie Fang anmerkt, der Film-Kim Jong Il konsequent und stereotyp «r» und «l» verwechselt und das von ihm vorgetragene Lied «I'm so lonely» dabei als «I'm so ronery» erklingt, gehört dabei noch zu den harmloseren Angriffen, die der Film auf die vorherrschende Political Correctness unternimmt. Indem der Film sich jedoch kontinuierlich selbst parodiert, macht er sich über Amerikaner, Kommunisten und Islamisten in gleicher Weise lustig.
Kim Jong Il singt bei der Oscar-Verleihung
Gleichzeitig jedoch hat gerade diese Szene, in der die selbst für die Verhältnisse von «Team America» kleine Puppe Kim Jong Ils durch seinen riesigen Palast wandelt, das Zeug zum Klassiker: Wird doch hier das Filmszenengenre «Einsamer Tyrann», das spätestens mit der Darstellung des mit der Weltkugel spielenden Adenoid Hynkel in Chaplins «Der große Diktator» in die Filmgeschichte einging, plausibel weitergeführt. In einem Interview erzählten Stone und Parker von ihrem Wunschtraum: «I’m so lonely» gewänne den Oscar für die beste Filmmusik, woraufhin der persönlich aus Nordkorea angereiste Kim Jong Il den Song bei der Oscar-Verleihung live zum Besten zu geben hätte.
«Team America: World Police» läuft am 30. Dezember in den deutschen Kinos an.