Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek: 

netzeitung.deWarnung an die Hedonisten

 Herausgeber: netzeitung.de

Der Literatur-Nobelpreis für Elfriede Jelinek ist ein politisches Statement.

Wohl wenige Schriftsteller sind in Österreich wegen ihrer Überzeugung so angefeindet worden wie Elfriede Jelinek. Selbst Thomas Bernhard nicht. Man(n) verzieh ihm, weil er früh starb.

Bei Jelinek kommt alles zusammen: Ein brillanter Intellekt, hohe Sprachsensibilität, Lust an der Provokation, messerscharfe Analyse und persönlicher Mut. Diese Mischung ist selten, sogar in Österreich.

Niemand hat erwartet, dass ausgerechnet sie den Literatur-Nobelpreis bekommen würde. Die Entscheidung der schwedischen Akademie zeigt, dass der Literatur-Nobelpreis keine Eintrittskarte für das Altenheim ist. Schreiben ist nicht immer reine Belletristik. Jelinek mischt sich ein und ist herrlich unangepasst und frech.

Sie sieht die Auszeichnung nicht als «Blume im Knopfloch Österreichs». Diese Sorge braucht sie nicht zu haben. Jörg Haider, den sie gehasst und angeprangert hat wie kaum ein anderer Intellektueller Österreichs, wird sich nicht mit ihr schmücken wollen.

Die «Kronen Zeitung», von der Jelinek über Jahre mit extremer Bösartigkeit diffamiert wurde, meldet die Sensation heute online sehr diskret und schreibt lediglich von einer «Überraschung». Dem Krawallblatt hat es die Sprache verschlagen.

Der Literatur-Nobelpreis ist auch ein politisches Statement. Er erinnert all die jungen Hedonisten und Zyniker daran, dass die Kunst einen gesellschaftlichen Zweck erfüllt. Und gibt ihnen die Warnung mit: Wenn ihr keinen Sinn habt, bleibt ihr nicht. Die Akademie hat die Schriftstellerei ans Leben erinnert – ein guter Tag für die Literatur.


Für das Web ediert von Michael Maier