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netzeitung.deEminem geht in die Luft

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Eminem (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eminem
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Für 13 Dollar kann ab Herbst rund um die Uhr Eminems digitaler Radiosender empfangen werden. Der Rapper entzieht sich dabei zugleich der grassierenden Zensur des amerikanischen Talk-Radios.

Von Anjana Shrivastava

Banditen vom Schlage Bonnie und Clydes flüchteten in Autos, der Rapper Eminem hingegen hat gerade ein Get-away-Projekt im Stile eines digitalen Raumschiffs ins Leben gerufen. Sein neuer Partner dabei ist «Sirius Satellite Radio», ein digitales Netzwerk, das nicht der Zensur durch die für das kontinentale Radio zuständige Institution «FCC» unterliegt.

Dabei sind Eminems Probleme mit der Zensur weit weniger gravierend als bei anderen, etwa dem Talk-Radio-Moderator und «Shock Jock» Howard Stern, der einen ähnlichen Griff nach den Sternen in Erwägung zieht. Denn seitdem Washington begonnen hat, die Gastgeber von Talk-Radio-Sendungen mit empfindlich erhöhten Geldstrafen für obszöne Äußerungen zu belegen, sind diese Sendeformate selbst für die größten Medienkonzerne zu einer kommerziellen Unmöglichkeit geworden.

Hilfssheriffs zu Outlaws
Von jeher hat die amerikanische Regierung ein besonderes Augenmerk auf die spezifische Macht des Radios, die in seiner enormen Verbreitung begründet liegt, aber auch in der Intimität des gesprochenen Wortes und der Interaktivität des Gespräches zwischen Moderator und Anrufer. So hatte das Radio immer schon eine besondere Verantwortung für die Verwaltung der öffentlichen Moral.

Den lokalen Sendern kam dabei von jeher eine spezielle Rolle zu. Denn lokale Standards schienen die beste Möglichkeit für eine Kontrolle der Moral im Radio zu bieten. In den neunziger Jahren aber kam es zu einer großen überregionalen Senderkonzentration, und Moderatoren wie Howard Stern und Rush Limbaugh wurden im Zuge antiliberaler Strömungen um Newt Gingrich dazu benutzt, ein neues geistiges Klima zu schaffen. Damit soll es nun vorbei sein – die ehemaligen Hilfssheriffs werden zu Outlaws erklärt.
Rund um die Uhr für 13 Dollar
Wenn Eminem sich der Radiozensur jetzt durch das Ausweichen ins digitale Medium entzieht, dann handelt es sich eher um eine inszenierte als eine wirklich nötig gewordene Flucht. So etwas hat der Rapper, der bereits ganz bewusst einen dichten ideologischen Nebel versprüht hat, nicht mehr nötig.

Sein Projekt zielt, so sagt er selbst, unmittelbar auf die Straße und seine Hörer. Für den Betrag von monatlich 13 Dollar werden sie rund um die Uhr «Shady Radio» hören können, außerdem eine Varieté-Show, bei der Eminem zusammen mit DJ Green Lantern der Gastgeber sein wird.

Lufthoheit des Düsenjets
Auf diese Art flüchtet der Elvis des Hip Hop vor einem System, das ihn einst noch in den letzten Winkel dieser Welt gesendet hat. Aber als Hofnarr hat er eben nicht nur eine Breiten-, sondern auch eine Tiefenwirkung. Einer 33-jährigen Frau im englischen Birmingham ist für drei Jahre richterlich untersagt worden, Radio, Stereoanlage oder ein Fernsehgerät zu besitzen. Die Mutter von drei Kindern hatte immer wieder Eminems Song «Stan» gespielt, und zwar so laut, dass eine Lautstärkenmessung den Wert von 65 Dezibel ergab. Das entspricht dem Lärm eines vorbeiliegenden Düsenjets und zwang die Nachbarn dazu, auf unmöglich gewordene Gespräche in ihrer eigenen Wohnung zu verzichten und stattdessen zu Antidepressiva zu greifen.

Auch die Tatsache, dass die Polizei Musik- und Videomaterial im Wert von mehreren tausend Pfund aus der Wohnung der Frau entfernte, konnte letztlich nichts an ihren Hörgewohnheiten ändern. In solchen Momenten des Übertritts geht täglich die Freiheit aller verloren. Immerhin behält ein Mann die Lufthoheit. Er weiß, dass in einer zunehmend repressiven Welt ein Hofnarr der Meister des Universums sein kann und sein muss.