Monopol: 

netzeitung.deEin Monopol unter vielen

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"Monopol"-Cover (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe "Monopol"-Cover
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Florian Illies gibt eine neue Zeitschrift heraus. «Monopol» soll ein «Magazin für Kunst und Leben» sein und setzt ganz auf den Unterhaltungswert von Home-Stories.

Von Ronald Düker

Ein «Magazin für Kunst und Leben» soll es sein, und es hat seinen Anspruch unverzagt zum Titel erkoren – «Monopol». Das aber wird Florian Illies und Amélie von Heydebreck, die jetzt die erste Nummer ihrer in Berlin produzierten Illustrierten herausgebracht haben, selbst klar sein: Monopol ist nur eine von vielen in diesen Tagen erfundenen Publikationen und wird sich neben der Konkurrenz von «Dummy», «Neon» oder «Cicero» seinen eigenen Platz auf einem Zeitungsmarkt erobern müssen, der, zumindest was das Anzeigengeschäft anlangt, wieder Raum für Experimente zu lassen scheint.

Bei «Monopol» ist zumindest geschäftlich wohl alles bestens angelaufen. Illies musste die Zeitschrift gar um 20 Seiten aufstocken, so sehr haben sich Unternehmen wie Chanel, Nike und Boss um die Werbeplätze gerissen. Die Lufthansa hat bereits 10.000 Exemplare der ersten Ausgabe für die Business Class geordert. Damit scheint auch die Zielgruppe derjenigen, die bereit sind, für ein relatives dünnes Heft sieben Euro zu bezahlen, adressiert zu sein. Florian Illies und einige seiner ehemaligen Kollegen von der «FAS» und den «Berliner Seiten», die nun für ihn schreiben, werden sich über solche Wirtschaftsdaten freuen.

Cicero, staatstragend
Letztlich sind es aber die Leser, die über das Überleben solcher Publikationen entscheiden. Die werden sich nun zunächst orientieren und feststellen, dass die publizistischen Novitäten sich nur punktuell ähneln. Während «Neon» wohl auf ein junges und kaufkräftiges Publikum zielt, das immer noch etwas mit dem Begriff Life-Style anzufangen weiß und sich im Fernsehen für Viva entscheidet, erscheint «Dummy» als die etwas ambitioniertere Variante. Doch wenn der Titel oder auch das aktuelle Heftthema 'Verbrechen' zumindest einen Hauch von Gefährlichkeit oder Underground vermitteln wollen: «Dummy» ist wie «Neon» in keinem Berliner Friseurladen fehl am Platz.

«Cicero» gibt sich als veredelte und staatstragendere Variante derartiger Unterhaltungsmagazine und hat für seine erste Nummer eine Mischung von Texten zusammengestellt, deren Auswahlkriterium offenbar ausschließlich die Prominenz der Autoren gewesen ist – die inhaltliche Linie dieses «Magazins für politische Kultur» wird sich frühestens in den nächsten Nummern kristallisieren, wenn thematische Konzeptionen an die Stelle des Sammelsuriums der ganz großen Namen treten müssen. Geschieht dies nicht, hat «Cicero» mit politischer Kultur nichts zu tun, auch wenn sich unter den Autoren noch so viele Politiker finden. Ein Sonderpreis für das behäbigste Cover einer Eröffnungsausgabe («Jörg Immendorff exklusiv für Cicero») scheint dem Magazin immerhin bereits jetzt sicher zu sein.

Menschen hinter dem Markt
Mit «Cicero» hat das erste Heft von «Monopol» nichts zu tun – das sicherste Indiz: die beiden Parallelerscheinungen schalten jeweils ein Inserat der Konkurrenz. «Monopol» will, so heißt es, «eine Lustlektüre sein, in der sich Kunst, Kultur, Mode und Design auf neue Weise mischen.» Das darf man insofern wörtlich nehmen, als ein politischer und intellektuell reflektierter Zugang zu künstlerischer Produktion, wie er etwa im lang etablierten «Texte zur Kunst» gepflegt wird, hier keinen Ort hat. Die Mischung, die «Monopol» im Sinn hat, zielt tatsächlich auf die Schnittstelle von Kunst und Leben – also nicht einfach eine Vermengung von «Life-Style» und «Modernem Leben» mit Kunstthemen, sondern einen Blick auf Kunst, der stets angeleitet wird von den Menschen hinter den Artefakten und den Machern hinter dem Markt.

Auch ein dermaßen schwer überschaubares Feld wie der Kunstmarkt, so die versöhnliche Erkenntnis mehrerer «Monopol»-Artikel, wird letztlich nur von Menschen bestellt. So lässt sich der Generaldirektor der Berliner Museen, Peter-Klaus Schuster, von der Starfotografin Herlinde Koelbl ablichten, mal napoleonartig ins Kreuz geworfen, mal vertraulich in die Kamera lächelnd. Dazu eine Art Home-Story, die allerhand über Schusters Büromöbel und die Unordnung auf seinem Schreibtisch mitzuteilen weiß. Nicht fehlen darf hier auch der Hinweis, dass der Generaldirektor sein Privatleben sonst erfolgreich geheim hält und nicht einmal die «Berliner Yellow Press» diesbezüglich Nennenswertes über ihn herausbekommen habe.
Spiegelscherbe im Fensterbrett
Auch der unvermeidliche Artikel über die Galerien in Berlin-Mitte stellt ganz auf die Gesichter hinter dem Betrieb ab. Im Schwimmbecken eines brachliegenden Stadtbades in Prenzlauer Berg (noch immer muss dieser Kiez für Szene, Kunst und Subkultur herhalten) hat «Monopol» mehrere Galeristen zu einem Gruppenfoto zusammengestellt. Dazu eine Bildlegende, die den persönlichkeitsfixierten Leser mit einem 'who is who' der vermeintlichen Kunsthauptstadt Berlin versorgt.

Das Format der Home-Story ist in «Monopol» Programm – so muss auch der polnische Maler Zbigniew Rogalski als Resultat seiner offenbar überaus morbiden Warschauer Umgebung portraitiert werden. «Auf dem Fensterbrett», so heißt es, «steht eine Spiegelscherbe, in der sich Zbigniew rasiert. Die Häuserblocks, auf die er dabei blickt, sind grau. Der Baum vor dem Fenster ist grau. Der Himmel ist grau. (...) Meist sitzen sie hier zu zweit an dem kleinen Tisch, Zbigniew und seine Freundin Karolina, essen und rauchen und reden darüber, ob sie sich endlich neue Stühle kaufen oder lieber gleich umziehen sollen.» Schwer vorstellbar, dass Rogalski, der in Polen hoch im Kurs steht und momentan auch in Berlin zu sehen ist, Gefallen an derartig klischierter Ostblockfolklore finden kann.
Schlingensief fährt BMW
Insgesamt ist «Monopol» als ein gelungenes Experiment zu bezeichnen. Das Layout ist angenehm übersichtlich und zurückhaltender als in den angeberischen Produktionen der Konkurrenz. Stets wird die Balance zwischen Fotos und Text gehalten, und so ist «Monopol» zumindest eine professionell gemachte Kulturillustrierte, die für viele Leute gerade da eine «Lustlektüre» sein wird, wo es nicht um Kunst geht. Schließlich dürfte ein Besuch bei Uschi Obermaier, die über ihre Männer und das zurückgezogene Leben in Kalifornien plaudert, von ebenso allgemeinem Interesse sein wie die Texte Nick Hornbys, den Illies sogar als Kolumnisten verpflichten konnte. Christoph Schlingensief schreibt darüber, wie er mit seinen alten Eltern nach Dubai geflogen ist, um dort den neuen BMW X3 zu testen.

«Monopol» hat also seine erste Nummer produziert. Inhaltlich wäre noch einiges möglich – aber, das ist das Gute, der Rahmen, in dem die Zeitschrift angelegt ist, lässt das auch zu. Geschäftlich, wie gesagt, lässt es sich gut an. Nur dieser eine fromme Wunsch: Bitte etwas mehr Inhalt und etwas weniger Folklore!