Friendster:
Freunde suchen Freunde
20.08.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Das Feature, das Friendster.com im Vergleich mit anderen Dating-Sites auszeichnet, besteht in einer spezifischen sozialen Komponente: Hier trifft man nicht irgendeinen potenziellen Partner, sondern immer Freunde von Freunden. Grundlage hierfür ist eine Datenbank, die Verknüpfungen herstellt. Friendsters Wesen besteht geradezu darin, aus «realen» sozialen Beziehungen, neue, «virtuelle» Beziehungen entstehen zu lassen.
Es ist fünf Monate her, seitdem Friendster gratis online benutzt werden kann. In dieser Zeit hat das System geschätzte 1,5 Millionen Nutzer gewinnen können. Der Erfinder von Friendster, der 33-jährige Jonathan Abrams, ist überwältigt von diesem Massenandrang, nun versucht er ein Zahlungssystem zu entwickeln. Der Programmierer aus San Francisco wollte eigentlich nur einen Weg finden, selbst der Anonymität des urbanen Single-Daseins zu entkommen, wo selbst Treffen im Realraum durchaus anonym verlaufen können. Die üblichen Angebote für Partnersuchende im Netz, wie etwa Match.com, fand Abrams «zufällig, anonym und gruselig».
Was Abrams allerdings nicht berücksichtigte, war die Kreativität und Spielfreude der Nutzer. So wurde seine Community unter anderem von DJs, Künstlern, Kaffehausphilosophen und anderen Hipstern in Beschlag genommen. Sie erfinden fiktionale Charaktere mit Namen wie «Gott», «World Trade Center» oder «Noam Chomsky» und sammeln neue wie falsche Freunde eher aus Spaß und guter Laune. Andere begannen bald damit, sich aus ganz praktischen Gründen zu tarnen. Wie das «San Francisco Weekly» berichtet, tauschte etwa ein Mann aus New York sein Porträt gegen das Bild einer Katze. Er war auf der Straße mit Hinweis auf sein Friendster-Profil angesprochen worden und wollte seine Anonymität auf der Straße zurück bekommen.
Mehrere männliche «Friendsters» wurden wiederum verdächtigt, Ex-Freundinnen erfunden zu haben, die in höchsten Tönen von ihnen sprachen, um so schneller zu einer Partnerin zu kommen. Eine lesbische Frau, die feststellen musste, dass alle ihre Freunde, sowie deren Freunde heterosexuell sind, änderte ihren Namen. Heute findet man sie unter dem Namen eines berühmten Lesbenclubs in San Francisco.
Abrams versuchte eine engmaschige Kleinstadtgemeinde inmitten der modernen amerikanischen Massengesellschaft zu etablieren. Seine Gegner erweisen sich hingegen gerade als Feinde der sozialen Kontrolle, die mit der Kleinstadt einhergeht. Abrams wollte ein virtuelles Netzwerk schaffen, in dem «nachprüfbare menschliche Beziehungen» abgebildet werden können. Die falschen Freunde des Fakes haben diese Idee mit romantischer Ironie überschüttet.
Für das Web ediert von Anjana Shrivastava

