Chomsky über Irak:
Krieg ist unausweichlich
«Die Briten haben ja einen dicken Bericht über die Menschenrechtsverletzungen durch das Regime Saddam Husseins herausgegeben. Ich bezweifle nicht, dass wahr ist, was da drinnen steht», sagt Chomsky. «Was aber die britische Regierung nicht sagt, ist die Tatsache, dass sich dieser Bericht im wesentlichen auf Recherchen von Amnesty International aus den Achtzigerjahren stützt. Was damals Saddam Hussein an der eigenen Bevölkerung angerichtet hat, tat er mit Duldung oder Unterstützung der USA und Großbritanniens.»
Noch vor einem Jahr hätte der nunmehrige britische Außenminister und damals das Innenministerium leitende Jack Straw den Asylantrag eines Irakers abgelehnt, weil er das irakische Justizsystem für vertrauenswürdig gehalten habe. Wenn nun humanitäre Überlegungen aus der Requisite geholt würden, geschehe dies nur aus politischen Überlegungen, sagt Chomsky.
Als Beleg dafür dient ihm auch der Umgang der USA mit Nordkorea. Weil es dort kein Öl gebe, gehe Washington mit dem Regime in Pjöngjang wesentlich sanfter um, obwohl es die Arbeit an Atomwaffen bereits zugegeben hat.
«Schauen Sie sich nur die Entwicklung dieses Irak-Konflikts an: Im Juli noch war eigentlich keine Rede von der Bedrohung, die von Irak ausgeht. Im September, zwei Monate vor den Kongresswahlen, war Saddam plötzlich die Bedrohung Nummer eins. Das Kalkül ist aufgegangen.»
Schon frühere Präsidenten hätten sich diese Methode zu Nutze gemacht, sagt der MIT-Professor: «Anfang der Achtzigerjahre stand es schlecht um die US-Wirtschaft und Reagan hatte Probleme. Plötzlich mussten die USA die Contras in Nicaragua unterstützen. Damals wurde etwa verbreitet, dass Nicaragua nur zwei Tagesmärsche von der US-Grenze entfernt liegt. Werfen Sie mal einen Blick auf die Landkarte, dann werden Sie feststellen, dass das Nonsens ist. 1986 mussten wir dann in Grenada landen, weil ja die Sowjets von diesem Inselchen aus die USA hätten angreifen können. Ende der Achtziger war dann Ghaddafi dran.»
Längst sei der Krieg gegen Irak entschieden, unabhängig vom Ergebnis der Waffeninspektion. «Die USA haben sich ihre Autorisierung zu einem Militärschlag schon geholt, indem sie behaupten, Irak verletze die neue UN-Resolution. Wenn die Vereinten Nationen das bestätigen, so ist's fein. Wenn nicht, ist es auch egal», glaubt er.
Nach Gutdünken könnten sich die Mächte USA und Großbritannien über internationales Recht hinwegsetzen und sie hätten es schon oft getan. Die USA seien das Land, das am häufigsten von seinem Vetorecht im UN-Sicherheitsrat Gebrauch mache. Gefolgt von Großbritannien.

