Höchste Auszeichnung für deutsche Autorin: 

netzeitung.deLiteratur-Nobelpreis geht an Herta Müller

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Herta Müller (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Herta Müller
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Eine Million Euro und Ruhm für die Ewigkeit: Die Schwedische Akademie hat die in Berlin lebende, 56-jährige Schriftstellerin Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Der Literatur-Nobelpreis 2009 geht an die deutsche Autorin Herta Müller. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Herta Müller zeichne «mittels der Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit», erklärte die Akademie. Herta Müller ist in Rumänien geboren und verarbeitet in ihren Werke ihre Erlebnisse von Fremdheit und politischer Verfolgung. Müller ist die zwölfte Frau mit dem Literatur-Nobelpreis. Mit ihr wurde zum 13. Mal ein Vertreter der deutschsprachigen Literatur gewürdigt.

Der Hanser-Verlag in München, zu dem Herta Müller 2003 gewechselt ist, stellte für den späten Nachmittag eine Pressekonferenz mit der in Berlin lebenden Schriftstellerin in Aussicht. Die in Rumänien geborene Autorin «freut sich sehr, und wir freuen uns auch», sagte Verlagssprecherin Leonie Obalski der Nachrichtenagentur AP. Bisher hat Hanser fünf Bücher Herta Müllers herausgebracht, die früher für Rowohlt schrieb. Der Verlag werde nach Verleihung des Literatur-Nobelpreises aber nunmehr mit Sicherheit weitere Werke der Schriftstellerin herausbringen.

In diesem Jahr galten als aussichtsreiche Anwärter auch US-Autoren wie Thomas Pynchon, Joyce Carol Oates und Philip Roth, ebenso der syrische Dichter Adonis. Außenseiter-Chancen wurden dem Sänger Bob Dylan wegen der lyrischen Qualität seiner Songtexte eingeräumt. Bei englischen Buchmachern stand der Israeli Amoz Os ganz oben. In ein deutschsprachiges Land ging der Nobelpreis zuletzt 2004, als die Österreicherin Elfriede Jelinek ausgezeichnet wurde. 1999 hatte Günter Grass den Literaturnobelpreis bekommen.

«Es ist schwerer geworden, die Akademie zu durchschauen», meint der Stockholmer Verleger Svante Weyler. Neue, deutlich jüngere Mitglieder sind nachgerückt, unter ihnen auch der neue Akademie-Sekretär Peter Englund: Ein selbstironisch auftretender Historiker, bis vor kurzem fleißiger und davon sichtlich begeisterter Blogger.
US-Autoren zu «insular»?
Englund hatte in den vergangenen Tagen mit Äußerungen für Aufsehen erregt, das Komitee sei zu eurozentrisch eingestellt. In den meisten Sprachregionen der Welt gebe es würdige Kandidaten und das gelte auch für Nord- und Südamerika, erklärte er. Sein Vorgänger Horace Engdahl hatte dagegen im vergangenen Jahr den US-Autoren vorgeworfen, sie dächten zu insular und seien ihrer Massenkultur zu sehr verhaftet. Preisträger 2008 wurde dann der Franzose
Jean-Marie Gustave Le Clezio.

Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 vergeben. Nach dem testamentarischen Willen des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) erhält derjenige den Preis, «der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat». Es soll von sehr hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen. Der von der Schwedischen Akademie vergebene Literaturnobelpreis ist inzwischen mit zehn Millionen Schwedischen Kronen (eine Million Euro) dotiert. Er wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters, in Stockholm überreicht.

Sartre: «Jeder Preis macht abhängig»
In den Jahren 1914, 1918, 1935 sowie von 1940 bis 1943 wurde kein Literaturnobelpreis vergeben. Vier Mal (1904, 1917, 1966 und 1974) mussten sich zwei Schriftsteller die Auszeichnung teilen. Zwei Autoren lehnten den Nobelpreis ab: 1958 musste der sowjetische Autor Boris Pasternak den Preis auf Druck seiner Regierung hin zurückweisen. Der Franzose Jean-Paul Sartre weigerte sich 1964 die Auszeichnung anzunehmen und erklärte: «Jeder Preis macht abhängig.» (dpa/AP)