24.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Bei urheberrechtsfreien Büchern einfach nur praktisch: Google Books Screenshot: nz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Lange hat es gedauert und mit der Zeit wurde der Druck so groß, dass das sogenannte Google Book Settlement nun keines mehr ist. Der US-Schriftsteller- und Verlegerverband hat Änderungen angekündigt, deutsche Verbände triumphieren.
Nachdem das Projekt zur Digitalisierung von Büchern des Internet-Unternehmens Google in den USA teilweise vorläufig gescheitert ist, hat die deutsche Buchbranche mehr Engagement in Europa bei der Digitalisierung der Bibliotheksbestände gefordert.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeigte sich erfreut darüber, dass die amerikanischen Schriftsteller- und Verlegerverbände das Google Book Settlement überarbeiten wollen. Er sehe ein «zunehmendes Bewusstsein dafür, was Urheberrecht für unsere Gesellschaft bedeute», erklärte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, am Donnerstag in Frankfurt am Main. Auch die Verwertungsgesellschaft Wort gegrüßte die Entwicklung.
Die EU-Kommission dürfe Google nicht das Einscannen der «öffentlichen Schätze» überlassen, sagte Skipis weiter. «Wir verurteilen diese Vorstellungen in aller Schärfe.» Zuvor erklärte bereits Gottfried Honnefelder, Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: «Das ist ein guter Tag für das Urheberrecht.»
Neuer Termin am 6. NovemberNach Kritik des US-Justizministeriums wollen die US-Autoren- und Verlegerverbände ihren gemeinsam mit Google vorgelegten Vergleichsvorschlag zu den Buch-Digitalisierungsplänen des Internet-Konzerns nicht mehr aufrechterhalten. Das US-Justizministerium hatte das Gericht aufgerufen, die Vereinbarung abzulehnen. Es machte vor allem Urheberrechts- und Wettbewerbsbedenken geltend, stellte sich aber nicht grundsätzlich gegen die Vereinbarung.
Die US-Verleger beantragten in der Folge bei dem zuständigen Gericht in New York, eine für den 7. Oktober angesetzte Anhörung abzusagen. Sie bräuchten mehr Zeit, um auf Einwände von Kritikern einzugehen, hieß es in dem Antrag vom Dienstag. Gespräche sollen neben anderen auch mit dem US- Justizministerium geführt werden. Stattdessen soll am 6. November ein neuer Terminplan für die Erarbeitung eines überarbeiteten Vorschlags vorgelegt werden.
Das «Google Book Settlement» sieht vor, dass der Konzern gegen die Zahlung von 125 Millionen Dollar das Recht erhält, Millionen von Büchern von Universitäten und Bibliotheken zu digitalisieren und ins Netz zu stellen. Viele der Bücher sind urheberrechtlich geschützt. Das Settlement in seiner bisherigen Form räumt Autoren eine Pauschale von 60 Dollar für die bisherige Nutzung ihrer Werke sowie 63 Prozent an zukünftigen Einnahmen ein. Alternativ können Autoren ihre Bücher aus der Datenbank entfernen.
Kritik an Google von allen SeitenGegen die Vereinbarung sind vor allem die Buchbranchen in Deutschland und Frankreich mit Unterstützung der Regierungen Sturm gelaufen, da von der Vereinbarung auch urheberrechtlich geschützte Bücher ausländischer Autoren betroffen wären. Zahlreiche deutschsprachige Autoren protestierten mit dem «Heidelberger Appell».
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte ebenso wie Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) beim Gericht einen ausführlichen Einwändekatalog vorgelegt. Darüber hinaus fürchten die europäischen Verleger Konkurrenz für europäische digitale Bibliotheksprojekte wie die sogenannte Europeana. Die EU-Kommission hatte dagegen Googles Pläne prinzipiell begrüßt und als Vorbild auch für Europa bezeichnet.
Auch mehrere Google-Wettbewerber wie der Online-Marktplatz Amazon, über den derzeit die meisten Bücherkäufe im Internet abgewickelt werden, sowie Microsoft hatten nachdrücklich vor einer Monopol-Stellung für Google gewarnt. Google hat die Monopol-Vorwürfe stets zurückgewiesen. (AP/epd/dpa/nz)