Englische Bücher für junge Leser auf dem Vormarsch:
«Harry Potter» im globalisierten Kinderzimmer
Umgekehrt finden Bücher aus anderen Ländern nur selten den Weg in die USA. Eine «Einbahnstraße», wie der der Literaturwissenschaftler Hans-Heino Ewers beklagte. Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Universität Frankfurt, ist Gastgeber eines Kongresses von 400 Literaturwissenschaftlern. Bis zum kommenden Dienstag diskutieren sie unter anderem über die Auswirkungen der globalen Mediengesellschaft auf die Literatur für Kinder und Jugendliche.
Eine Wissenschaftlerin aus Indonesien berichtete, dass dort in den großen Städten die Kinder der reichen Elite die Bücher am liebsten gleich in Englisch lesen. Übersetzungen werden dadurch überflüssig. Dies wiederum kann die Spaltung von Gesellschaften weiter vertiefen. Die einen sprechen und lesen in der Business-Sprache, während die anderen ihrem lokalen Idiom treubleiben.
Rund 30 Prozent der Kinder- und Jugendbücher in Deutschland sind Übersetzungen aus dem Englischen. In vielen Ländern ist dieser Anteil aber oft noch höher, weil es keine etablierte nationale Literatur gibt. Die einheimischen Verlage lassen dann Bücher aus den USA einfach in Lizenz übersetzen.
Eine erstaunliche Vielfalt an Literatur für die Jüngeren gibt es dagegen in Brasilien, wie die Schriftstellerin und renommierte Wissenschaftlerin Anna Maria Machado berichtete. Geholfen habe dabei, dass Brasilien eine lange Tradition von Kinderbuchautoren habe. Zwei weitere Punkte sind für Machado, deren eigene Kinderbücher eine Auflage von 80 Millionen erreicht haben, aber wichtig. Fast jedes Kind geht inzwischen in Brasilien zur Schule. Und fast jede Schule hat eine eigene Bibliothek, wie die Autorin sagte. (Von Thomas Maier, dpa)

