22.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Groß, blond, heldenhaft?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die goldenen Gartenzwerge von Ottmar Hörl verstoßen nicht gegen die Verfassung. Die Nachfrage nach dem Kunstobjekt steigt indes rasant.
Die Hitler-Gartenzwerge des Wertheimer Künstlers Ottmar Hörl haben keine juristischen Folgen. Weil der Kunstprofessor in Nürnberg den Nationalsozialismus der Lächerlichkeit preisgeben wolle und die Zwerge als Kunst verkaufe, sehe man von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab, teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Mittwoch mit. «Bei der Gesamtschau wird die Gegnerschaft zur Ideologie hinreichend deutlich», hieß es. Mit der gleichen Begründung lehnte auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen ab. Sie war durch einen Bericht der «Bild»-Zeitung auf eine Esslinger Galerie aufmerksam geworden, die einen solchen Zwerg im Angebot hatte.
Prinzipiell sei das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen - darunter der Hitlergruß - strafbar, erklärte die Ermittlungsbehörde Nürnberg. Doch werde dies nicht verfolgt, wenn die Darstellung in offenkundiger und eindeutiger Weise die Bekämpfung der NS-Ideologie zum Ausdruck bringe.
Groß, blond und heldenhaftDer goldfarbene Gartenzwerg, der den rechten Arm zum Hitlergruß ausstreckt, hatte in den vergangenen Tagen für viel Wirbel gesorgt. Ein Unbekannter hatte sich über die Präsentation der puppengroßen Kunststofffigur in einer Nürnberger Galerie beschwert und sich mit einem anonymen Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. Die Staatsanwaltschaft nahm daraufhin Vorermittlungen auf. In Stuttgart war der Fall nur geprüft worden.
Hörl hatte den Gartenzwerg, den er selbst als Persiflage auf das «Herrenmenschentum» der Nazis betrachtet, für eine Ausstellung der Kunstmesse im belgischen Gent geschaffen. «Nazis sehen sich doch selbst als groß, blond und heldenhaft. Diese Eigenschaften hat doch kein Gartenzwerg», erläuterte der Künstler aus Wertheim (Main-Tauber- Kreis) der Deutschen Presse-Agentur dpa. 700 Exemplare des Nazi- Zwerges waren im Frühjahr im Foyer der Kunstmesse zu sehen. Kurz darauf wurden die Wichtel in Bozen/Südtirol ausgestellt. In den vergangenen Tagen nahm die Nachfrage von Sammlern laut Hörl rasant zu. (dpa)