Tarifverhandlungen in Bayreuth: 

netzeitung.deDen Wagner-Festspielen droht ein Streik

 Herausgeber: netzeitung.de

Streikposten könnten demnächst auf dem Grünen Hügel patrouillieren (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Streikposten könnten demnächst auf dem Grünen Hügel patrouillieren
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Es ist die erste Saison für die neuen Leiterinnen auf dem Grünen Hügel und sie beginnt möglicherweise mit einem Skandal. Denn das Wagner-Spektakel in Bayreuth könnte zum Schauplatz eines Arbeitskampfes werden.

Wenige Wochen vor Beginn der Bayreuther Festspiele droht die Gewerkschaft Verdi mit Streik auf dem Grünen Hügel. Die fest und saisonal Beschäftigten müssten bisher ohne Tarifvertrag und teils unter miserablen Bedingungen arbeiten, berichtete Verdi am Mittwoch. Die Tarifverhandlungen seien von der Arbeitgeberseite verzögert worden; daraufhin habe ver.di das Scheitern der Gespräche erklärt.

«Wir werden nicht davor zurückschrecken, die Festspiele zu bestreiken», sagte Hans Kraft von Verdi Bayern am Mittwoch. Festspielsprecher Peter Emmerich rief die Gewerkschaft dagegen auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. «Wir sind in der Lage die Premiere scheitern zu lassen, das ist aber nicht unser Wunsch», ergänzte die Bayreuther Verdi-Bezirkssekretärin Barbara Schneider.

Die Festspiele sollen am 25. Juli mit der Oper «Tristan und Isolde» eröffnet werden. Dazu hat sich viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur angekündigt, an der Spitze Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). «Es ist nicht unsere Absicht, die Festspiele zu gefährden», sagte Kraft. Aber die Beschäftigten hätten keine andere Möglichkeit, sich zu wehren, als die Aufführungen zu bestreiken.

Erstmalige Tarifverhandlungen
Träger der Bayreuther Festspiele GmbH sind der Bund, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Mäzene «Freunde von Bayreuth». Es sei nicht einfach, alle vier Gesellschafter in kurzer Zeit unter einen Hut zu bringen, sagte Emmerich. «Die Festspielleitung ist keineswegs der Gegner der Beschäftigten, sondern sieht die Notwendigkeit, dass sich ihre Situation verbessert», unterstrich er. «Doch dazu brauchen wir Geld, und letztlich müssen es die Gesellschafter bezahlen.»

Es ist das erste Mal überhaupt, dass es Tarifverhandlungen bei den Bayreuther Festspielen gibt. Dabei geht es vor allem um Bezahlung und Arbeitsbedingungen von etwa 150 bis 200 Bühnenarbeitern und Beschäftigten in den Werkstätten. Orchester oder Chor sind nicht betroffen. Es ist die erste Saison für die neuen Leiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, die Töchter des langjährigen Bayreuth-Chefs Wolfgang Wagner.

Für die Mitarbeiter seien wöchentliche Arbeitszeiten von bis zu 60 Stunden während der Festspielzeit die Regel, klagt Verdi. «Die Stimmung steht auf Arbeitskampf», unterstrich die Bayreuther Gewerkschaftssekretärin Barbara Schneider. «Die Kolleginnen und Kollegen sind stinksauer, sie wollen endlich einen Tarifvertrag.» (dpa/AP)