30.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Pina Bausch
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die berühmte Tänzerin und Choreografin ist im Alter von 68 Jahren überraschend gestorben. Erst vor einer Woche war bei ihr Krebs diagnostiziert worden.
Die weltweit bekannte Tänzerin und Choreografin Pina Bausch ist tot. Die Leiterin des Wuppertaler Tanztheaters sei am Dienstagmorgen überraschend gestorben, teilte das Theater mit. Erst in der letzten Woche sei bei ihr Krebs diagnostiziert worden, trotzdem habe sie bis zuletzt an ihren Projekten gearbeitet.
Geboren wurde Josephine (Pina) Bausch am 27. Juli 1940 als Tochter eines Gastwirts in Solingen. Ihre tänzerische Ausbildung begann sie 1955 an der von Kurt Jooss gegründeten Folkwangschule in Essen. Nach ihrem Abschluss wechselte sie an die berühmte Juilliard School in New York. 1962 kehrte Bausch nach Deutschland zurück, wo sie zunächst in dem von Jooss neugegründeten Folkwang-Ballett tanzte.
Nur sechs Jahre später machte sie mit eigenen Choreographien auf sich aufmerksam. Unter ihrer Leitung wurde das Wuppertaler Tanztheater, wo sie seit 1973 als Chef-Choreographin wirkte, weltberühmt. Ihre radikalen tänzerischen Umsetzungen, etwa von Gluck-Opern, erregten Aufsehen und entsprachen selten dem gängigen Schönheitsideal.
In ihren weit mehr als 40 Stücken, die sie weltweit präsentierte, verschmelzen Schauspiel, Modern Dance, Pantomime und Musical zu einem neuen Stil. «Körper und Bewegung sind die beste Möglichkeit, um auszudrücken, was mich und uns alle bewegt», sagte Bausch einmal. «Es ist keine Kunst und kein Können, sondern Leben.»
Angst, Tod, Liebe und SehnsuchtDie ersten eigenen Choreographien Bauschs waren noch stark dem Modern Dance verpflichtet. Seit Mitte der 1970er Jahre änderte sie aber nach und nach ihren Stil und integrierte immer mehr Gesang, Sprache, Alltagsgesten und Pantomime. Dabei spielt die Bewegung als Ausdruck des Innersten bei ihr stets eine sehr große Rolle. Ihre Stücke handeln von persönlichen und gleichzeitig universellen Themen wie Angst, Tod, Liebe und Sehnsucht.
Bausch wurde mit internationalen Auszeichnungen und Preisen wie dem japanischen Kyoto-Preis oder dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig überhäuft. 1982 übernahm sie eine Rolle in Federico Fellinis Film «E la nave va». Einen eigenen Kinofilm brachte sie mit «Die Klage der Kaiserin» 1990 heraus.
Bei der Verleihung des Kyoto-Preises las sie von einem Zettel ihre Dankesworte ab, «weil ich doch so nervös bin, wenn ich frei sprechen muss». Lobeshymnen kommentierte die bereits vielfach ausgezeichnete Künstlerin mit einem verschämten Lächeln. «Ich freue mich wirklich über jeden Preis, aber letztlich habe ich doch keine Zeit, mich lang damit zu befassen oder darauf auszuruhen», erklärte sie. All ihre Energie fließe in die Arbeit, den Tanz und nicht in die damit verbundene Anerkennung.
Stehender Beifall bei ihrem letzten AuftrittNoch Mitte Juni wurde in Wuppertals renovierter Oper die Uraufführung des neuen Tanzabends der Compagnie mit lautem Jubel begrüßt. Als die Choreographin inmitten ihrer Tänzerinnen und Tänzer auftrat, um den Schlussbeifall entgegenzunehmen, erhoben sich die Zuschauer von den Stühlen. (dpa/AP)