24.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Leopold Bloom auf Twitter Screenshot: nz
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das zehnte Kapitel aus James Joyce's berühmtem Roman «Ulysses» folgt 19 Dublinern in ihrem Alltag. Folgt? Das muss auf Twitter, meinten zwei Fans des irischen Schriftstellers. Gesagt, getan: Das Ergebnis heißt «Twittering Rocks».
Dass twittern auch echte Kunst sein kann, zeigen zwei Fans des irischen Schriftstellers James Joyce. Ian Bogost, ein Professor der Universität Georgia Tech, und sein Freund Ian McCarthy haben dazu das zehnte Kapitel aus «Ulysses», dem Hauptwerk von Joyce, ins Online-Netzwerk Twitter eingegeben.
Das «Wandering Rocks» überschriebene Kapitel sei besonders für Twitter geeignet, weil es 19 Dublinern in ihrem Alltag folge, erklären sie. Um es auf den Kurznachrichtendienst übertragen zu können, legten sie für 54 Charaktere der Geschichte Twitter-Accounts an. Bogost schrieb dazu noch ein kleines Programm, das dafür sorgt, dass die jeweiligen Personen sich im richtigen Moment in der Geschichte zu Wort melden.
«Twittering Rocks»«Das Ergebnis ist ein komplexes Netz von zeitlich abgestimmten Interaktionen zwischen verschiedenen Personen», erklärte Bogost. «Das ist genau der Effekt, den Joyce in seiner Geschichte haben wollte.» Bogost und McCarthy nennen ihre Umsetzung in Anspielung auf den Originaltitel «Twittering Rocks». Aufgeführt wurde «das Stück» am 16. Juni, dem Bloomsday, dem Gedenktag für «Ulysses».
Der Bloomsday bezieht sich auf die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom. Bogost hofft, mit der Nutzung von Twitter für eine literarische Aufführung auch die Wahrnehmung dieses Kommunikationsmittels verändern zu können. Twitter könne für mehr genutzt werden als egozentrische Träumereien, erklärte er in einer E-Mail.
«Vielleicht verändert sich damit das Interesse der Menschen an den neuen sozialen Medien, weg von einer krankhaften Selbstsucht und Unmittelbarkeit hin zu tiefergehenden Überlegungen und kultureller Besinnung». (Barbara Ortutay/AP)