Informationen aus dem Kindler Literaturlexikon:
Françoise Sagan, französische Romanautorin
geb. 21.6.1935 Cajarc/Lot (Frankreich)
gest. 24.9.2004 Honfleur/Calvados (Frankreich)
Industriellentochter; 19351939 in Paris, während der Okkupation in Lyon; kehrte 1944 nach Paris zurück; unregelmäßiger Schulbesuch; fiel 1953 an der Sorbonne durch und schrieb danach in drei Wochen ihren ersten Erfolgsroman; Reisen in die USA; 1957 schwerer Autounfall, heiratete den Verleger Guy Schoeller, später den Bildhauer Bob Westhof; erfolgreiche Vertreterin des französischen Unterhaltungsromans, der das Lebensgefühl der Nachkriegsgeneration einfängt.
Lit.: N. Morello: F. S., 2000. A. Vircondelet: F. S., 2002.
Bonjour tristesse
Hauptgattung: Epik/Prosa, Untergattung: Roman (frz.; Bonjour Tristesse, 1954, H. Treichl)
Schauplatz des 1954 erschienenen Romans ist das mondäne Milieu der französischen Riviera, wo die 17-jährige Cécile mit ihrem Vater Raymond die sommerlichen Ferienmonate verbringt. Zwischen beiden besteht ein betont kameradschaftliches Verhältnis; jeder toleriert und billigt die durchaus unbürgerliche Lebensweise des anderen. Raymond wird von seiner Geliebten Elsa, einer Frau der Halbwelt, begleitet; Cécile hat ein Verhältnis mit einem sympathischen Studenten, den sie beim Segeln kennenlernte. Diese Menschen neigen weder zu starken seelischen Affekten noch zu quälerischen Grübeleien; sie sind »glücklich«, wenn man darunter im Sinne der Autorin eine zwar anspruchsvoll sich gebärdende, im Grunde aber naiv-bescheidene Art des Lebensgenusses verstehen will.
Cécile, deren Verhältnis zu Anne eher von heimlicher Bewunderung als von Hass bestimmt war, ist von dieser Wendung der Dinge betroffen, aber nicht erschüttert. Sie und ihr Vater kehren zur früheren Lebensweise zurück. Aber manchmal überkommt Cécile die Erinnerung: »Dann steigt etwas in mir auf, das ich mit geschlossenen Augen empfange und bei seinem Namen nenne: Traurigkeit komm, Traurigkeit.«
Lit.: H.-M. Schuh: Bonjour Tristesse, in: Einführung in das Studium der französischen Literaturwissenschaft, Hg. W.-D. Lange, 1979, 128135. N. Morello: F. S. Bonjour tristesse, 1998.
Werner Arnold

