12.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Die Welt in einer Nussschale: Werbe-Gag auf der Leipziger Buchmesse
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Seit dem Morgen strömen die Literatur-Fans auf das Leipziger Messegelände. Vier Tage wird über Autoren, Preise, E-Books und Urheberrechte diskutiert. Mit der Frühjahrsmesse startet auch eine neue Plattform zum Bücher-Download.
Mehr als 100.000 Besucher werden auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse erwartet, die am Donnerstag Morgen begonnen hat. 2135 Aussteller aus 38 Ländern präsentieren hier bis Sonntag die Neuerscheinungen des Bücherfrühlings 2009. Begleitet wird die Ausstellung von Europas größtem Lesefestival: Unter dem Motto «Leipzig liest» treten 1500 Autoren in rund 1900 Veranstaltungen an 300 verschiedenen Orten in der gesamten Stadt auf, darunter Julia Franck, Wilhelm Genazino, Günter Grass oder Daniel Kehlmann.
Während bei der Frankfurter Buchmesse im Herbst das Lizenzgeschäft im Vordergrund steht, gilt Leipzig als Autoren- und Lesermesse. Die Ausstellung ist von Anfang an für das Publikum geöffnet, zu den Schwerpunkten zählen Comics, Mangas oder Kinder- und Jugendliteratur. Außerdem versteht sich die Leipziger Buchmesse als Förderer der Literatur aus Mittel- und Osteuropa. Am Nachmittag wird zum fünften Mal der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen, und zwar in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Dieser Preis ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert.
Auf libreka! Bücher aufspüren und herunterladenAuf der Buchmesse ist auch der Startschuss für den E-Book-Verkauf über die offene Plattform libreka! gefallen. «Etwa 100.000 Bücher sind bereits eingestellt, mehrere 1000 Titel seit heute online zu kaufen», sagte Ronald Schild vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Damit sei libreka! die größte deutschsprachige Plattform, über die sich Bücher sowie einzelne Textpassagen aufspüren und anschließend kaufen und herunterladen lassen. Lesen kann man die Bücher dann entweder auf dem PC oder speziellen Lesegeräten wie dem E-Reader von Sony. Den hatte der japanische Elektrokonzern am Mittwoch auf dem deutschen Markt eingeführt.
Die deutsche Buchbranche will künftig härter gegen das illegale Herunterladen digitalisierter Bücher aus dem Internet vorgehen. Alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel sollten genutzt werden, kündigte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, an. Nach dem Vorschlag des Börsenvereins sollen Nutzer zunächst von ihren Providern verwarnt werden, bei wiederholten Verstößen könnten dann rechtliche Schritte eingeleitet werden.
Börsenverein sieht «rechtsstaatliche Verwahrlosung» im NetzSkipis warf der Politik vor, das Problem zu verharmlosen und sprach von einer «rechtsstaatlichen Verwahrlosung» im Internet. Zugleich zeigte er sich davon überzeugt, dass vielen Nutzern oft nicht bewusst sei, dass sie illegal handelten: «Aufklärung tut not, aber auch Abschreckung», sagte er. Der Börsenverein führte an mehreren Beispielen vor, wie leicht es ist, kostenlos aus dem Internet sowohl Romane als auch Hör- und Sachbücher herunterzuladen, ohne dass der Nutzer auf sein illegales Verhalten hingewiesen wird.
Anbieter, die dies ermöglichten, finanzierten sich häufig über Werbeeinnahmen, erklärte Skipis. Je häufiger die Seiten aufgerufen würden, umso attraktiver seien sie für Werbung. Mit zunehmender Nachfrage an E-Books werde auch die Nachfrage nach Raubkopien im Netz steigen. Schon jetzt belaufe sich der Schaden durch Raubkopierer im Netz auf mehrere Millionen Euro, gerade Wissenschaftsverlage seien betroffen. (dpa/AP)