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Hochkultur im Sachsen-Slang: 

Die Renaissance der Mund-Art

04. Dez 2008 14:09, ergänzt 09. Dez 2008 13:18
Das silbervergoldete Zimmer im Grünen Gewölbe.
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«Nee du, dis iss nisch waa!» - Doch! Die Audioguides im Grünen Gewölbe führen nun auch in Sächsisch durch die heiligen Hallen. Ingeborg Ruthe hat sich das angehört und tatsächlich einiges verstanden.

Ei verbibbsch, das heißt, aus dem stark Dresdnerisch gefärbten Sächsisch übersetzt, soviel wie potz blitz oder da kannst du staunen. Und staunen dürfen wir, nämlich über das polyglotte Dresden. Im von Menschen aus aller Welt besuchten Grünen Gewölbe, den barocken Schatzkammern des Sächsischen Sonnenkönigs Augusts des Starken und seiner Nachfahren, wird ab jetzt auch im vertrauten Landesdialekt geführt. Also in dieser breiten, mancherorts wie singend vorgetragenen, auf jeden Fall mit rätselhaften Vokabeln (etwa: «Nu, nu,» für «Ja» oder «Hä?» für «Wie bitte?»oder «Fei net!» für «Bloß nicht!») gespickten Art, sich zwischen Dresden, Leipzig, Chemnitz, Annaberg-Buchholz und Plauen, vor allem aber zwischen Bergen und Tälern zu verständigen.

Konnte man sich für den Rundgang im Westflügel des Schlosses, durchs Bernsteinkabinett, Elfenbein- und Weißsilber-, durchs Juwelen-, Wappen- und Bronzezimmer bislang für zehn Sprachen entscheiden, so gibt es nun neben Englisch, Italienisch, Französisch, Russisch, Polnisch, Japanisch, Chinesisch, Ungarisch, Tschechisch - und selbstverständlich Hochdeutsch - diese elfte Wahl.

Mit vertrauten Heimatklängen, Geheimvokabeln und Spezialmodulationen geht es alsda vorbei an Meister Dinglingers Miniatur-Thron des Großmoguls, an dem Begehrlichkeit weckenden Grünen Diamanten, an vergoldeten Kokosnüssen und zwei illustren Permoser-Mohren mit Edelsteintabletts.

«Niggolaus» für Eingeborene

Sächsisch auf Audioguide ist das Nikolaus-Geschenk der Marketingabteilung in der Dresdner Kunstsammlung an die Eingeborenen. Sprecher ist der Mann mit dem bundesweit durchschlagendsten sächsischen Sprach-Charisma: der Kabarettist Uwe Steimle. Fachkundig habe er, das versichern die Werbestrategen des Museums, alles Wissenswerte zum Historischen Grünen Gewölbe in feinstes Sächsisch übersetzt. Und so ist der Dialekt, der laut Allensbach-Umfrage unlängst noch der unbeliebteste in Deutschland war, museumswürdig.

Mit freundlicher Genehmigung aus der «Berliner Zeitung»


 
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