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Jubiläum für HR-Orchester: 

«Einzigartiges Schattengewächs»

24. Nov 2008 15:03
Die Gründungsformation des HR-Jazzensembles 1958
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Das Jazz-Ensemble des Hessischen Rundfunks feiert seinen 50. Geburtstag. Es ist eine ungewöhnliche Institution, die von Deutschlands bekanntestem Jazzmusiker Albert Mangelsdorf geformt wurde.

Bevor die übrigen Mitglieder des Ensembles eintreffen, legt Peter Back im Studio II des Hessischen Rundfunks die Noten seiner neuen Komposition aus. Zwei Stunden später ist «Transition», ein mit digitalen Computergeräuschen unterlegtes Stück, im Kasten. Lange hat das hr-Jazzensemble über die spezielle Mischung aus Elektronik und Instrumenten diskutiert, bis alle acht Musiker zufrieden sind. Hoher Anspruch und künstlerische Freiheit zeichnen diese Formation gleichermaßen aus. Dabei treten die renommierten Musiker nur im Studio auf. «Das Ensemble ist ein einzigartiges Schattengewächs in der Jazz-Flora», sagt Guenter Hottmann, hr-Jazzredakteur, zum 50-jährigen Bestehen der Formation.

Frankfurt war die Jazz-Hauptstadt

Dass neben den drei großen Big Bands der ARD-Sender nur der Hessische Rundfunk zusätzlich noch ein Jazzensemble besitzt, hat vor allem historische Gründe. Frankfurt war nach dem Krieg so etwas wie die deutsche «Jazzhauptstadt». Und die 1958 aus den «German All Stars» entstandene Formation war seit der Gründung mit dem Namen von Albert Mangelsdorff verbunden, dem international bekanntesten deutschen Jazzer. Als der Posaunist 2005 im Alter von 76 Jahren starb, fiel das Ensemble wider Erwarten nicht auseinander. Dafür sorgten schon Mangelsdorffs Bruder Emil und Heinz Sauer, beides bekannte Saxofonisten, oder der jüngere Tenorsaxofonist Christof Lauer, der in Europa zur Spitze seines Fachs gehört.

Etwa zweimal im Monat kommen die fünf Bläser – verstärkt durch Klavier, Schlagzeug und Bass – im Studio in der Senderzentrale in Frankfurt-Dornbusch zusammen. Es geht dabei in erster Linie ums musikalische Experimentieren. Denn Geld lässt sich im Ensemble wenig verdienen. Ganze 30.000 Euro beträgt der Jahresetat. Für die Musiker bleibt da nur ein kleines Zubrot übrig. «Das Ensemble war aber immer auch so etwas wie ein Sprungbrett», sagt Hottmann. Das hat zum Beispiel der Karriere von Christof Lauer gutgetan.

Vom Hardbob zum Maschinen-Sound

Emil Mangelsdorff und Joki Freund gehören zu den Gründungsmitgliedern des Ensembles. Und beide haben heute als Veteranen im Alter von 83 und 82 Jahren nichts von ihrer musikalischen Vitalität verloren. So hat die Formation auch dank ihrer Kontinuität den Charakter eines besonderen Clubs – allerdings ohne Star-Allüren. «Es war für mich eine große Ehre, als ich ins Ensemble eingeladen wurde», sagt Saxofonist Peter Back, der vor zehn Jahren zur Gruppe stieß. Back war damals nur als Ersatz für den vielfach engagierten Lauer ins Ensemble gekommen. Heute zählt der 46- Jährige neben Schlagzeuger Ralf Hübner und Bassist Günter Lenz zu den wichtigsten Arrangeuren.

Die Bläserfraktion des heutigen Ensembles
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Musikalisch hat das Ensemble in fünf Jahrzehnten einen weiten Weg hinter sich: Vom Hardbop der 50er Jahre über den Modern Jazz bis zum Jazzrock und Jazz-Funk. Das Ensemble hat sich inzwischen für neue Klänge mit dem Elektronik- oder dem Maschinen-Sound aus dem Computer geöffnet. Aber auch der Zwölf-Ton-Musik verwandte kammermusikalische Klangmalereien sind keine Seltenheit. «Die Musik ist viel anspruchsvoller geworden», sagt Joki Freund. Das hr-Jazzensemble besitze einen «unverwechselbaren Sound», lobt Christof Lauer.

Neue CD und Geburtstags-Konzert

Immer wieder ist die Formation auch mit berühmten Gästen aufgetreten, zum Beispiel den amerikanischen Saxofonisten Joe Henderson, Stan Getz oder Lee Konitz. In den letzten Jahren fehlte dafür oft das Geld. Aber Verstärkung aus dem Jazz-Mutterland braucht das Ensemble eigentlich ohnehin nicht. Das Jubiläum wird nicht nur mit einer neuen CD gefeiert. Am 6. Dezember kommt die Gruppe zu einem großen Geburtstags-Konzert im hr-Sendesaal zusammen. Eine fünf Stunden lange «hr2-Kultur-Jazznacht» wird vom 6. auf den 7. Dezember von 0.05 Uhr auch von anderen ARD-Sendern übertragen. (Thomas Maier, dpa)

 
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