12.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Knollennasenmännchen mit seinem Schöpfer
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Konventionen bildeten für ihn die Werkmasse, aus der er seinen leisen Humor formte: Auch zu seinem Geburtstag ist sein Herzthema noch hochaktuell: die kommunikativen Stolperfallen zwischen Frau und Mann.
«Eigentlich», sagt Vicco von Bülow alias Loriot, «bin ich Opa Hoppenstedt. Das Alter trifft zu. Das Befinden trifft zu. Das Aussehen trifft zu.» Und tatsächlich: Der Karikaturist, Autor, Regisseur und Schauspieler wird am Mittwoch 85 Jahre alt und dürfte sich damit seiner Sketchfigur annähern.
Doch sein Humor ist immer noch hellwach. Das ließ sich vergangene Woche bei der Eröffnung einer Ausstellung über sein Lebenswerk im Berliner Film- und Fernsehmuseum beobachten: Ein Leben lang, erzählte Loriot dort, habe ihn die Frage verfolgt «Was unterscheidet den bildenden Künstler vom Karikaturisten?». Seine Antwort löste Lacher aus: «Der bildende Künstler schneidet sich gelegentlich ein Ohr ab, der Karikaturist nicht.»
Der Erfinder der Knollennase Solche Exzesse hatte von Bülow, der einer preußischen Offiziersfamilie entstammt, auch nie nötig. Sein Ruhm beruht vielmehr auf einem leisen, langsamen Humor, den er ab 1950 eben als Karikaturist für verschiedene Zeitschriften, darunter das Magazin «Stern», zeigte. Seine Arbeiten erschienen unter dem Pseudonym «Loriot», dem französischen Namen des Wappentiers (Pirol) der Familie von Bülow. Hauptfigur seiner Karikaturen, die zumeist eine Satire auf die Absurdität gesellschaftlicher Konventionen lieferten, wurde ein korrekt gekleidetes Strichmännchen mit Knollennase.
In den 1970er Jahren baute er seine Popularität vor allem mit der Fernsehserie «Loriot» aus. Unvergessen ist zum Beispiel die stocksteife Liebeserklärung, die an einer Nudel im Gesicht des Galans scheitert. In den Sketchen wurde von Bülow erstmals von Evelyn Hamann begleitet, die Ende 2007 starb. Dabei nahm er immer wieder die mangelnden kommunikativen Fähigkeiten in der Gesellschaft auf die Schippe, besonders die Probleme zwischen Frauen und Männern.
Immer noch kennt fast jeder Loriot Zu den Höhepunkten im Werk des Humoristen zählen seine Kinokomödien «Ödipussi» und «Pappa ante Portas». Beide sind typisch für Loriots Humor: Einmal spielt er den genauso korrekten wie ungelenken Geschäftsführers eines Stoff- und Möbelgeschäfts, der sich aus der Obhut seiner resoluten Mutter zu befreien versucht.
Dann gab von Bülow einen überraschend pensionierten Manager, der seiner Frau (Evelyn Hamann) beim Haushalt unter die Arme greifen möchte und damit Chaos erzeugt.
All das liegt nun schon Jahrzehnte zurück. Dennoch gilt seine Arbeit den meisten Deutschen immer noch als zeitgemäß, zumindest wenn man einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Allensbach-Instituts glaubt. Nach wie vor kennen ihn demnach 92 Prozent der Bevölkerung. Das ist umso bedeutender, als von Bülow 2006 seinen Abschied aus dem Fernsehen verkündete. Das Medium, sagte der seit 1951 verheiratete Vater zweier Töchter, sei ihm einfach zu schnell geworden. (Jost Maurin, AP)