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Digitalisierung als Schwerpunkt: 

Buchmesse zeigt E-Books

14. Okt 2008 19:03
Die Veranstalter rechnen mit 283.000 Besuchern
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Die Türkei ist in diesem Jahr Ehrengast auf der Frankfurter Schau - mit rund 250 Schriftstellern und 150 Verlagen. Führende türkische und deutsche Politiker betrachteten die Messe als Brückenschlag zwischen den Kulturen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat zur Eröffnung der 60. Frankfurter Buchmesse für eine Einbindung der Türkei in die Europäische Union geworben. Nur dann könne die Integration der in Deutschland lebenden Türken vollständig gelingen, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Frankfurt. «Die Türkei hat sich auf den Weg gemacht zu einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft.» Dies werde auch in der modernen türkischen Literatur deutlich.

Die Türkei ist bis Sonntag Gastland auf der weltgrößten Bücherschau. Unter dem Motto «Faszinierend farbig» sind etwa 250 türkische Schriftsteller und 150 Verlage vertreten. Insgesamt liegt die Buchmesse mit rund 7300 Ausstellern aus 100 Ländern leicht unter dem Rekordniveau des Vorjahres. Rund 280.000 Besucher werden während der fünf Tage erwartet.

Vizekanzler warnt vor «Maßlosigkeit»

Steinmeier forderte zugleich einen «Mentalitätswechsel» bei der Meinungsfreiheit in der Türkei. «Da mag die Türkei noch ein Stück des Weges vor sich haben.» Deutschland müsse das Land dabei unterstützen und verwies auf eine geplante deutsch-türkische Universität in Istanbul.

Angesichts der Finanzkrise warnte Steinmeier davor, den Menschen auf den «homo oeconomicus» zu reduzieren. «Wer nur noch kurzfristige Rendite zum Maßstab des Wirtschaftens macht, verliert jedes Maß und endet in Maßlosigkeit.» Die Buchmesse sei eine gute Gelegenheit zu zeigen, wie eine gerechte und friedliche Ordnung in Europa aussehen könne.

Gül lobt türkische Autoren

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül wertete die Gastland- Teilnahme seines Landes als «wichtige Stufe» der «traditionellen deutsch-türkischen Freundschaft». Bücher und Kunst spielten eine wichtige Rolle, «dass sich unsere Völker durch gegenseitiges Kennenlernen noch näherkommen».

Gül würdigte zugleich das Schaffen der in Deutschland geborenen türkischen Schriftsteller und Künstler. Ihre Werke - egal ob in Deutsch oder Türkisch - erzeugten nicht nur «gemeinsame Farben», sie seien zugleich «eine Botschaft hinsichtlich des Dialogs zwischen den Kulturen», sagte Gül.

Parmuk kritisiert begrenzte Meinungsfreiheit

Zur Situation der Meinungsfreiheit in der Türkei meinte Gül, Einschränkungen und Druck, denen Schriftsteller und Bücher ausgesetzt gewesen seien, «haben mit der Zeit abgenommen oder sind gänzlich verschwunden». Die Türkei habe dank der in den letzten Jahren beschleunigten wirtschaftlichen und politischen Reformen «die Kriterien der Europäischen Union auf den Gebieten der Meinungs- und Redefreiheit sowie der Achtung der kulturellen Vielfalt in großem Maße verwirklicht». Dies gelte auch für den Schutz des geistigen Eigentums, auch wenn diese Anstrengungen noch nicht ganz das gewünschte Ergebnis erbracht hätten.

Scharfe Kritik übte der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk an Einschränkungen der Meinungsfreiheit in seiner Heimat. «Der Hang des türkischen Staates, Bücher zu verbieten und Schriftsteller zu bestrafen, hält leider immer noch an», sagte der 56-Jährige in seiner literarischen Eröffnungsrede. Aufgrund des Paragrafen 301 des türkischen Strafrechts, «mit dem man Schriftsteller wie mich einzuschüchtern versucht», würden Hunderte von Schriftstellern und Journalisten gerichtlich belangt und verurteilt.

Coelho wirbt für neues Medium

Ein gegen Pamuk angestrengter Prozess war vor zwei Jahren eingestellt worden. Den Paragrafen 301, der Haftstrafen für die «Herabwürdigung des Türkentums» vorsah, hat die Türkei in diesem Jahr abgemildert. Pamuk kritisierte zudem, dass der Zugang zum Internet-Portal YouTube und Hunderten anderen in- und ausländischen Websites den Menschen in der Türkei «aus politischen Gründen» verwehrt werde.

Der Schriftsteller Paolo Coelho beschrieb seine Erfahrungen mit Literatur und dem Internet. Er habe seine Bücher in Russland schlecht verkaufen können, sagte er auf der Pressekonferenz, wegen der großen Entfernungen sei der Vertrieb schwierig gewesen. Dann sei eine digitale Raubkopie von «Der Alchemist» veröffentlicht worden - «und der Absatz schoss in die Höhe». Inzwischen stelle er selbst auf einer Website Links zu seinen Büchern zum kostenlosen Herunterladen zusammen.

Schau öffnet am Mittwoch

Neben dem Auftritt der Türkei werden die Digitalisierung und das E-Book wichtige Themen auf der Veranstaltung sein. Amazon und Sony werden ihre elektronischen Lesegeräte vorführen, die auf dem deutschen Markt bisher noch nicht erhältlich sind. Nur noch 42 Prozent der auf der Messe ausgestellten Produkte sind Bücher, 30 Prozent sind digital.

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, mahnte in diesem Zusammenhang klare Regeln im Umgang mit geistigem Eigentum an. «Wer im Buchhandel ein Buch mitgehen lässt, muss mit Sanktionen rechnen. Warum sollte im Internet ein anderes Recht gelten?», sagte er.


Die weltgrößte Bücherschau öffnet am Mittwoch ihre Tore mit Ausstellerzahlen leicht unter dem Rekordniveau des Vorjahres. 7373 Aussteller (Vorjahr: 7448) aus 100 Ländern hätten sich angemeldet, berichtete Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Man habe jedoch 1,4 Prozent mehr Fläche vermietet. Insgesamt sind 402 000 Titel (Vorjahr: 391 000) ausgestellt. Deutsche Aussteller stellen die größte Gruppe (3337), gefolgt von Briten (834) und den USA (662). (dpa/AP)

 
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