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Eklat um Deutschen Fernsehpreis: 

Alles «Blödsinn»: Reich-Ranicki lehnt Preis ab

12. Okt 2008 09:58, ergänzt 11:11
Das Enfant terrible: Marcel Reich-Ranicki
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Da schluckte selbst Moderator Thomas Gottschalk: Literaturkritiker Reich-Ranicki nahm bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den Ehrenpreis für sein Lebenswerk einfach nicht an.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises die Anwesenden brüskiert und für einen Eklat gesorgt. Er sagte, er könne den Preis nicht annehmen. Die Sendungen, die an diesem Abend ausgezeichnet wurden, seien «Blödsinn». Damit habe er nichts zu tun, sagte Reich-Ranicki am Samstagabend in Köln. Er räumte ein, er hätte dies vielleicht früher ankündigen müssen, aber er habe nicht gewusst, was ihn hier erwarte.

Moderator Thomas Gottschalk, der auch die Laudatio auf den Träger des Ehrenpreises gehalten hatte, wirkte zunächst überrascht, fasste sich aber schnell und machte einen Vorschlag zur Güte: Er werde gemeinsam mit Reich-Ranicki eine TV-Sendung bestreiten, in der sie über all die Themen reden könnten, die im deutschen Fernsehen zu kurz kämen: Bildung, Literatur und ähnliches. Die anwesenden Stifter des Fernsehpreises (Sat.1, RTL, ARD und ZDF) könnten sich schon mal darum bewerben, diese Sendung auszustrahlen. Der 88-Jährige zeigte sich zwar skeptisch, doch er akzeptierte Gottschalks Vorschlag und bot ihm zugleich das Du an.

Das ZDF hat inzwischen den Vorschlag aufgegriffen. «Das ZDF geht auf den Vorschlag ein und wird Reich-Ranicki dazu einladen», teilte der Sender am Sonntag mit.

Gottschalk: «Reality-Fernsehen»

Den Fernsehpreis, einen gläsernen Obelisk, nahm Reich-Ranicki nicht in die Hand. Als Reich-Ranicki den Saal verließ sagte Gottschalk: «Sie haben gerade erlebt, wie aus einer Preisverleihung Reality-Fernsehen werden kann.»

Die Stifter hatten am Dienstag bekanntgegeben, Reich-Ranicki erhalte den Ehrenpreis, weil «das Fernsehen und die Literatur ihm viel zu verdanken» hätten. Das «Literarische Quartett», das Reich-Ranicki von 1988 bis 2001 im ZDF moderiert hatte, sei mehr als ein Jahrzehnt lang «Pflichttermin für Literaturbegeisterte» gewesen.

Moderator Thomas Gottschalk zeigte sich am Abend der Preisverleihung in Hochform. Nicht nur den Eklat, den Reich-Ranicki provozierte, meisterte er souverän, auch den restlichen Abend bestritt er geistreich und humorvoll. Das ZDF wollte die Aufzeichnung der Show am Sonntagabend um 20.15 Uhr zeigen. Dann sollten auch erst die Träger der Fernsehpreise öffentlich bekanntgegeben werden. Insgesamt wurden Preise in 22 Kategorien vergeben.

Vor der Verleihung des Fernsehpreises hatten Contergan-Geschädigte am Roten Teppich vor dem Köln Coloneum demonstriert, wo die Preisverleihung aufgezeichnet wurde. Sie forderten die Pharmafirma Grünenthal auf, eine höhere Entschädigung an die Geschädigten zu zahlen.

Durch das von der Firma Grünenthal Ende der fünfziger Jahre auf den Markt gebrachte Medikament Contergan waren Tausende Kinder mit schweren Fehlbildungen auf die Welt gekommen. Die ARD-Produktion «Contergan», bei der Adolf Winkelmann Regie geführt hatte, war als Bester Film für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. (Dietmut Roether, epd)

 
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