Den Fernsehpreis, einen gläsernen Obelisk, nahm Reich-Ranicki nicht in die Hand. Als Reich-Ranicki den Saal verließ sagte Gottschalk: «Sie haben gerade erlebt, wie aus einer Preisverleihung Reality-Fernsehen werden kann.» Die Stifter hatten am Dienstag bekanntgegeben, Reich-Ranicki erhalte den Ehrenpreis, weil «das Fernsehen und die Literatur ihm viel zu verdanken» hätten. Das «Literarische Quartett», das Reich-Ranicki von 1988 bis 2001 im ZDF moderiert hatte, sei mehr als ein Jahrzehnt lang «Pflichttermin für Literaturbegeisterte» gewesen.
Moderator Thomas Gottschalk zeigte sich am Abend der Preisverleihung in Hochform. Nicht nur den Eklat, den Reich-Ranicki provozierte, meisterte er souverän, auch den restlichen Abend bestritt er geistreich und humorvoll. Das ZDF wollte die Aufzeichnung der Show am Sonntagabend um 20.15 Uhr zeigen. Dann sollten auch erst die Träger der Fernsehpreise öffentlich bekanntgegeben werden. Insgesamt wurden Preise in 22 Kategorien vergeben. Vor der Verleihung des Fernsehpreises hatten Contergan-Geschädigte am Roten Teppich vor dem Köln Coloneum demonstriert, wo die Preisverleihung aufgezeichnet wurde. Sie forderten die Pharmafirma Grünenthal auf, eine höhere Entschädigung an die Geschädigten zu zahlen.
Durch das von der Firma Grünenthal Ende der fünfziger Jahre auf den Markt gebrachte Medikament Contergan waren Tausende Kinder mit schweren Fehlbildungen auf die Welt gekommen. Die ARD-Produktion «Contergan», bei der Adolf Winkelmann Regie geführt hatte, war als Bester Film für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. (Dietmut Roether, epd)