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Literaturpreis für Le Clézio: 

Ein Nobel-Votum für Europa

09. Okt 2008 17:27
Wieder ein Europäer: Jean-Marie Gustave Le Clezio erhält den Literaturnobelpreis
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Dass es ein Europäer werden würde, der diesmal die wichtigste Literaturauszeichnung erhält, war zu vermuten. Schließlich hatte der Sekretär der Jury schon vorher den «alten Kontinent» gepriesen.

«Wow!», im schönsten Amerikanisch schrien einige Europäer unüberhörbar, als der Franzose Jean-Marie Le Clézio im Stockholmer Börsensaal mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde. Dabei hätten sie am Donnerstag als Jubelschrei für den 68-Jährigen wohl «formidable» oder «klasse» in einer europäischen Sprache rufen sollen. Denn zu einem eindeutigen, für viele zu eindeutigen Bekenntnis der Nobel-Juroren für die europäische Schriftstellerei ist auch der diesjährige Preis wieder geworden.

Seit 1995 ist der begehrteste Literaturpreis der Welt ganze dreimal außerhalb des eigenen Kontinents vergeben worden. Dem stehen elf Europäer gegenüber. Dass nach der Vergabe an Le Clézio verstärkt auf dieses an frühere Jahrhunderte erinnernde Verhältnis zwischen dem «alten Kontinent» und dem Rest der Welt geblickt wird, hat nicht Horace Engdahl, Ständiger Sekretär der Stockholmer Jury, zu verantworten. Nur eine Woche vor der Vergabe dieses Jahres erklärte er, Europa sei nach wie vor das literarische Zentrum der Welt. Die USA dagegen, 1993 zum letzten Mal durch Toni Morrison mit Nobelehren für Schriftsteller bedacht, stufte Engdahl pauschal als literarisch zweitklassig ein.

Mit der Entscheidung für den sympathischen Preisträger zeigte sich, dass Engdahl sein Pauschalurteil einfach so meinte, wie er sie in einem Interview ausgedrückt hatte. Ansonsten hatten eigentlich fast alle Nobelpreis-Experten in Stockholm und anderswo gedacht, dass der Schwede nur mal ein bisschen provozieren und vor allem in den USA selbst Aufmerksamkeit für seinen dort nicht so besonders populären Preis erzeugen wollte. Gute Reklame wäre es gewesen für eine Vergabe an Daueranwärter auf der anderen Seite des Atlantiks. Thomas Pynchon, Philip Roth, Don DeLillo, John Updike, Joyce Carol Oates, John Ashbery, die Kanadierin Margaret Atwood – an hochkarätigen Kandidaten aus Nordamerika ist kein Mangel in den Listen der Schwedischen Akademie.

Typisch europäische Art, zu reisen

Engdahl bekannte sich auch nach der Vergabe an Le Clézio zu seinem literarischen Eurozentrismus. Zwar stufte er den Franzosen mit vielen Lebensjahren auf der afrikanischen Insel Mauritius und ausgedehnten Aufenthalten in Südamerika als «Kosmopolit und Nomaden» ein. Über dessen Art der literarischen Verarbeitung meinte Engdahl: « Le Clézios Art zu reisen, ist ja auch typisch für Europäer, wenn sie sich mit fremden Kulturen identifizieren und diese intensiv beschreiben. Der universelle Mensch werden, das will der Europäer ja.»

Spaßvögel meinten in Stockholm, dass der Franzose den Preis auch bekommen hat, weil er wesentlich jünger als seine britische Vorgängerin Doris Lessing (88) aus dem letzten Jahr ist und sofort die Teilnahme an der Verleihung in zwei Monaten zusagen konnte. Die Londonerin musste 2007 gesundheitsbedingt ebenso absagen wie ihr Landsmann Harold Pinter (77) im voraufgegangenen Jahr und 2004 die Wienerin Elfriede Jelinek (61). Horace Engdahl schloss solche Überlegungen kategorisch aus: «Wir schließen keine Schriftsteller vom Nobelpreis aus, nur weil sie nicht mehr gehen können.» (dpa)

 
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