09. Okt 2008 13:41
Der französische Schriftsteller erhält die höchste Auszeichnung der Bücherwelt für «poetisches Abenteuer und sinnliche Ekstase». Bekannt wurde Le Clézio mit zivilisationskritischen Romanen.
Mit seinen zivilisationskritischen Romanen um versunkene, weit entfernte Welten ist Le Clézio, dessen Vorname stets zu J.M.G. abgekürzt wird, zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart geworden. Viele der zum Teil autobiografischen Werke des 68 Jahre alten Autors sind auch auf Deutsch erschienen, etwa «Der Goldsucher», «Onitsha», «Ein Ort fernab der Welt» und «Revolutionen». 2007 kam «Der Afrikaner» (Hanser Verlag) heraus. Der Roman erzählt von Clézios Afrikareise als Kind im Jahr 1948, wo er zum ersten Mal seinem Vater begegnete. Die Fahrt wird zu einer Initiation in eine fremde und exotische Welt. Clézios Vater, ein englischer Mediziner, war zeitweise in Nigeria im Auftrag der britischen Regierung als Arzt tätig.
Der in Nizza geborene Schriftsteller (seine Mutter war Französin) studierte Literaturwissenschaft und war nach dem Studium als Lektor in Bristol, London und Aix-en-Provence tätig. Als er 1963 mit 23 Jahren seinen ersten Roman «Das Protokoll» veröffentlichte, lobte ihn die Fachkritik einstimmig als eines der erstaunlichsten und eigenwilligsten Talente der modernen französischen Literatur. Das von Le Clézio als «Spielroman» bezeichnete Werk wurde im Umkreis des «nouveau roman» (Neuer Roman) angesiedelt.
Seitdem hat der vielfach Ausgezeichnete über dreißig Bücher geschrieben, darunter Erzählungen, Romane, Essays, Novellen und Übersetzungen indischer Mythologie. Le Clézio ist der erste vom Stockholmer Komitee erwählte Franzose seit Claude Simon im Jahr 1985, wenn man den Exil-Chinesen Gao Xingjian, der erst seit 1998 französischer Staatsbürger ist und den Nobelpreis 2000 erhielt, als Sonderfall betrachtet. Im vergangenen Jahr ging die berühmteste Literaturauszeichnung der Welt an die englische Autorin Doris Lessing. Der Nobelpreis ist mit umgerechnet einer Million Euro (zehn Millionen schwedische Kronen) dotiert. Er wird traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) vom schwedischen König überreicht. (nz/dpa)