«Hallelujah» in der O2-World: 

netzeitung.deLeonard Cohen nimmt Berlin ein

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«Hallelujah» in der O2-World 

Lupe Leonard Cohen nimmt Berlin ein

Sein Publikum machte mit. Als der Kanadier «first we take Manhattan» gesungen hatte, antwortete es begeistert – «then we take Berlin.» Mit seinem Marathon-Auftritt hat Cohen zumindest die Halle im Sturm genommen.

Die Songs von Leonard Cohen passen eher in eine düstere Kellerbar als in eine moderne Multifunktionsarena. Notfalls funktionieren sie aber auch dort. Der Meister der Melancholie schaffte es am Samstagabend in der Berliner O2 World am Ende sogar, echte Partystimmung zu verbreiten. Als er als zweite Zugabe «First we take Manhattan...» anstimmte, schallte dem Kanadier wie bei einem Heimspiel «... then we take Berlin» entgegen.

Cohens Berlin-Auftritt war eigentlich schon für Ende August als Open-Air-Konzert in der Waldbühne geplant, wurde aber aus «logistischen Gründen» abgesagt. Angesichts der herbstlichen Witterung wich er jetzt in die erst vor wenigen Wochen eröffnete Mehrzweckhalle im Berliner Osten aus. Dem 74-Jährigen wird nachgesagt dass er Auftritte vor großem Publikum nicht besonders mag und sich nur aus finanziellen Gründen noch einmal zu einer Welttournee aufgerafft hat.

Seine langjährige Managerin soll mehrere Millionen Dollar von seinen Konten entwendet haben. Obwohl sie von einem Gericht in Los Angeles verurteilt wurde, sah Cohen das Geld nie wieder. Jetzt steht der Mann mit schwarzem Zweireiher und tief in das längliche Gesicht gezogenem Hut wieder auf der Bühne, und macht nicht den Anschein, als habe er keine Lust mehr, sich seinem mit ihm in die Jahre gekommenen Publikum zu präsentieren.

«Hallelujah» und «So long, Marianne»
Für seine Tour, die ihn noch in vier weitere deutsche und viele andere europäische Städte führen wird, hat er eine sechsköpfige Band und drei Sängerinnen engagiert. Meist etwas gebückt und hin und wieder leicht tänzelnd haucht er mit seiner unverwechselbaren Reibeisenstimme seine teilweise vier Jahrzehnte alten Lieder ins Mikrofon. Hits wie «Suzanne» und «So long, Marianne» von seinem legendären ersten Album «Songs of Leonard Cohen» sind dabei. Oder das von zahlreichen Künstlern von Bono bis Bob Dylan gecoverte «Hallelujah» aus den 80er Jahren. Die neueren Kompositionen sind klar in der Minderheit.

An dem Pensum, das Cohen an diesem Abend in Berlin absolviert, können sich seine jüngeren Kollegen ein Beispiel nehmen. Nach drei Stunden inklusive Pause hüpft der Pop-Poet immer noch leichtfüßig über die Bühne. Erst nach sechs Zugaben verabschiedet er sich von seinen Fans. «Danke, dass ihr meine Lieder all die Jahre am Leben gehalten habt», ruft er ihnen noch zu. Viele werden es nach diesem Auftritt wohl nicht glauben mögen, dass sie Cohen womöglich zum letzten Mal auf der Bühne gesehen haben. Ob er sich die Strapazen einer Welttour noch einmal antun wird, ist äußerst fraglich. Aber wer weiß. Sein letzter Song an diesem Abend handelt von einem, der nicht loslassen kann. «Hier ist ein Mann, der sich immer noch bemüht, Dich zum Lächeln zu bringen», heißt die letzte Zeile. (Michael Fischer, AP)

Weitere Tour-Termine in Deutschland: München am 6. Oktober; Frankfurt am 29. Oktober; Hamburg am 31. Oktober; Oberhausen am 2. November