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Beuys-Ausstellung in Berlin: 

«Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch»

02. Okt 2008 18:40
Beuys starb 1986 im Alter von 64 Jahren
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Der große Kunst-Rebell kehrt zurück. In Berlin wird Joseph Beuys neu gewürdigt: Die umfassende Werkschau mit internationalen Leihgaben beginnt am Freitag im Museum Hamburger Bahnhof.

Joseph Beuys hat an die revolutionäre Kraft der Kunst geglaubt und auch jedem Menschen eine schöpferische Kraft als Künstler zugestanden. Wie kaum ein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts hat er die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Gesellschaft gespürt und unermüdlich thematisiert, in seinen für viele Zeitgenossen oft rätselhaften Kunstwerken («soziale Plastiken») oder auch Aktionen.

20 Jahre nach der letzten umfangreichen Beuys-Ausstellung in Deutschland zeigt jetzt der Hamburger Bahnhof in Berlin von diesem Freitag an unter seinem Motto «Die Revolution sind wir» eine umfassende Werkschau mit internationalen Leihgaben. Sie ist Teil des Berliner Ausstellungsfestivals «Der Kult des Künstlers».

Beuys-typische Fallen

Es ist eine in ihrer Fülle aufregende Schau, die auch die Vielzahl der Materialien und Aktionen des Künstlers plastisch hervortreten lässt. Sie hinterlässt aber einen teilweise ernüchternden Eindruck, wird doch einer der bedeutendsten Künstler des vergangenen Jahrhunderts auch als ein «Künstler seiner Zeit» deutlich, dessen Werke die Aufregung, die sie einmal ausgelöst haben, kaum noch ahnen lassen. Umso verdienstvoller ist die Dokumentation der Aktionen des «gesellschaftspolitischen Künstlers» Beuys. Erstmals wird in einer Ausstellung ein so umfassendes Bild seiner Aktionen, Schriften und Gedanken anhand von Dokumenten, Schriften, Filmen und Fotos präsentiert.

Joseph Beuys:
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Sie umrahmen oder ergänzen die 270 ausgestellten Objekte, Bilder und Installationen, die alle Formen der reichen Kunstproduktion des 1986 im Alter von 64 Jahren gestorbenen Künstlers präsentieren – von der Zeichnung und Skulptur bis zum Environment, dem Film und seinen «Spracharbeiten». Zu sehen sind in der großen Halle und in der oberen Etage unter anderem sein Spätwerk «Palazzo Regale» für Neapel (mit den goldenen Wandtafeln, einem Rucksack und dem Luchsfellmantel), «Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch», «Doppelfond», «Basisraum Nasse Wäsche» und die wuchtigen, mit Filz «geimpften» Basaltblöcke als «Das Ende des 20. Jahrhunderts». Beim Ausstellungsrundgang gilt es für Besucher die Beuys-typischen Fallen zu beachten: Ein scheinbar achtlos an die Wand gelehnter Besen ist vom Aufsichtspersonal nicht vergessen worden, sondern gehört zur Kunstinstallation.

«Dumm fragen» darf jeder

Auf zahlreichen Videoschirmen laufen Filme über die oft hitzig verlaufenen öffentlichen Auftritte des Künstlers, in denen er seine Werke und Kunstauffassung verteidigte. Als er 1983 in einer Diskussion mit Berliner Hausbesetzern den «langen Marsch durch die Institutionen» auch für den Kunstbetrieb reklamierte, bekam er von den jungen Berlinern zu hören: «Das ist Käse.» Das sehe man doch auch bei den politischen Parteien: «Nicht die SPD hat den Staat verändert, sondern der Staat die SPD.»

In der Ausstellung können die oft theoretisch überladenen Originalzitate den Besuchern beim Entziffern der Kunstwerke nicht unbedingt sehr viel weiterhelfen. So verweist der an der Wand hängende Filzanzug «in seiner Materialität auf die menschliche Einzigartigkeit und Isolation».

Aber vielleicht gilt ja auch heute, was Beuys schon zu Lebzeiten über Besucher seiner Ausstellungen meinte: «Viele schreiben mir, manche beschimpfen mich. Aber sie kommen immer wieder.» Und «dumm fragen» darf jeder – «damit fängt jede Revolution an», wie Beuys meinte. Und als Erlöser hat sich der Künstler auch nie gefühlt, er wollte doch «nur auf die Möglichkeit des Menschen aufmerksam machen, dass er sich jeweils selbst erlösen kann», ähnlich wie es heute der Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief sieht, für den Beuys zu den großen «Urahnen» gehört. Zweifellos aber werden auch heute wieder manche Besucher in der Ausstellung dieselbe Frage stellen, die schon ein Nachrichtenmagazin 1979 formulierte: «Künstler Beuys – Der Größte – Weltruhm für einen Scharlatan?» (Wilfried Mommert, dpa)

 
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