Auf zahlreichen Videoschirmen laufen Filme über die oft hitzig verlaufenen öffentlichen Auftritte des Künstlers, in denen er seine Werke und Kunstauffassung verteidigte. Als er 1983 in einer Diskussion mit Berliner Hausbesetzern den «langen Marsch durch die Institutionen» auch für den Kunstbetrieb reklamierte, bekam er von den jungen Berlinern zu hören: «Das ist Käse.» Das sehe man doch auch bei den politischen Parteien: «Nicht die SPD hat den Staat verändert, sondern der Staat die SPD.» In der Ausstellung können die oft theoretisch überladenen Originalzitate den Besuchern beim Entziffern der Kunstwerke nicht unbedingt sehr viel weiterhelfen. So verweist der an der Wand hängende Filzanzug «in seiner Materialität auf die menschliche Einzigartigkeit und Isolation».
Aber vielleicht gilt ja auch heute, was Beuys schon zu Lebzeiten über Besucher seiner Ausstellungen meinte: «Viele schreiben mir, manche beschimpfen mich. Aber sie kommen immer wieder.» Und «dumm fragen» darf jeder – «damit fängt jede Revolution an», wie Beuys meinte. Und als Erlöser hat sich der Künstler auch nie gefühlt, er wollte doch «nur auf die Möglichkeit des Menschen aufmerksam machen, dass er sich jeweils selbst erlösen kann», ähnlich wie es heute der Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief sieht, für den Beuys zu den großen «Urahnen» gehört. Zweifellos aber werden auch heute wieder manche Besucher in der Ausstellung dieselbe Frage stellen, die schon ein Nachrichtenmagazin 1979 formulierte: «Künstler Beuys – Der Größte – Weltruhm für einen Scharlatan?» (Wilfried Mommert, dpa)