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Daschas Garage in Moskau: 

Abramowitsch-Freundin eröffnet Museum

01. Okt 2008 10:01
Abramowitsch und Schukowa bei einem Fußballspiel
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Hat sie nur Geld oder auch Verstand? Diese Frage stellen sich Kunstfreunde nach der Eröffnung eines neuen Kunstzentrums durch Abramowitsch-Freundin Schukowa. Diese will mit ihrem Projekt der Tate Modern in London Konkurrenz machen.

Der russische Multimilliardär Roman Abramowitsch mischt seit Monaten den internationalen Kunstmarkt auf. Nun hat seine Freundin Dascha Schukowa, eine Mittzwanzigern, in Moskau für ein Millionenvermögen ein Busdepot aus den 1920er Jahren des russischen Architekten Konstantin Melnikow zu einem Kunstmuseum aufmöbeln lassen.

Die Designerin nennt die Backsteinhalle an der Obraszowa- Straße im Zentrum kurz «Art Garage», doch vergleicht sie das Zentrum für zeitgenössische Kultur schon jetzt ehrgeizig mit der Tate Modern in London. Zum Start gibt's eine Retrospektive des in den USA lebenden Konzeptkünstlers Ilja Kabakow und seiner Frau Emilija.

Moskaus Kunstkritiker loben das «ehrgeizige und einzigartige Projekt» in Russlands verstaubt-konservativer Museumslandschaft. Doch fragen sie sich, ob die junge Frau ohne jegliche Museumserfahrung nur Geld oder auch den Verstand für die Leitung eines solchen Museums mitbringt. Immerhin hat das Haus mit 8500 Quadratmetern deutlich mehr Ausstellungsfläche als die Neue Nationalgalerie in Berlin.

Großer Raum für moderne Kunst

In Moskau habe es bisher an einem «solch großen Raum für moderne Kunst» gefehlt, begründet Schukowa in einem Interview mit der russischen Zeitung «Nesawissimaja Gaseta» ihre Initiative. Sie wolle nicht nur etablierte, sondern auch junge Künstler ausstellen.

Russische Medien spekulieren intensiv darüber, wie stark Abramowitsch, der Besitzer des Londoner FC Chelsea, in das Projekt verwickelt ist. «Über Herrn Abramowitsch rede ich nicht», gibt sich die auch selbst reiche Tochter eines Öl- und Bankmagnaten bei der Eröffnung ihrer Schauhalle einsilbig. Abramowitsch (41) kaufte Ende Mai für 120 Millionen Dollar einen Lucian Freud und einen Francis Bacon. Nahm er bislang nur an Auktionen teil, so war er zur Überraschung vieler im Juni auch bei der Art Basel präsent. Zu sehen sind diese Erwerbungen in Daschas Kunst-Garage allerdings bisher nicht.

Zensurvorwürfe

Tatsächlich sorgte Moskaus moderne Kunstwelt in jüngster Zeit eher mit politischen Skandalen für Aufsehen als mit spektakulären Ausstellungen. So setzte etwa die altehrwürdige Tretjakow-Galerie ihren Chefkurator für moderne Kunst, Andrej Jerofejew, vor die Tür und handelte sich damit Zensurvorwürfe ein. Anhänger der russisch- orthodoxen Kirche sowie russische Nationalisten verwüsteten Jerofejews Schau mit Werken, die das Museum nicht öffentlich zeigen wollte. Wer in Moskau aktuelle Kunst sehen will, ist meist auf private Initiativen wie die von Schukowa angewiesen.

Die Garage ist das jüngste und größte in einer Reihe neuer privater Kunstmuseen in der russischen Hauptstadt. Seit einiger Zeit versuchen bereits der russische Millionär Igor Markin mit seinem Museum Art4.ru und der Berliner Galerist Volker Diehl in seiner Gallery One mehr Farbe und Leben in den Moskauer Kunstbetrieb zu bringen. Doch im Vergleich zu Schukowas Garage nehmen sich diese Initiativen winzig aus.

Orientierung an London und Paris

«Wir planen, eine Bibliothek zu eröffnen und einen Kinosaal», sagt Schukowa, die sich an ähnlichen Einrichtungen wie in Paris oder London orientiert. Ein Museumsshop, Café und eine Kinderecke sowie komfortable Sitzecken - all das wartet schon auf Publikum in der Garage, die der Londoner Architekt Jamie Fobert umgestaltet hat. Das einst von den Moskauer Verkehrsbetrieben genutzte Gebäude hat er mit Stellwänden zu einer famosen Ausstellungshalle umfunktioniert.

Aktuell ist in diesem Herbst eine große Retrospektive der Konzeptkünstler Ilja Kabakow und Emilija Kabakowa zu sehen. Die Schau mit dem Titel «Alternative Geschichte der Kunst» zeigt die Arbeiten von einem echten und zwei fiktiven Künstlern, die in ganz ähnlichem Stil, aber mit unterschiedlichen Techniken Abstraktion und sowjetischen Realismus verbinden. Als nächstes soll die Sammlung des französischen Milliardärs François Pinault zu sehen sein.

Noch steht Moskaus neues Zentrum am Anfang. Ob die 1983 geborene Schukowa ihre Vorhaben mit Hilfe internationaler Kunstexperten durchziehen kann, wird sich zeigen. Das Gebäude gehört Moskaus jüdischer Gemeinde, die hier eigentlich ein eigenes Museum plante. Und schon seit langem wird in Moskau auch über den Neubau eines großen, modernen, staatlichen Kunstmuseums diskutiert. Vorerst aber sollen weiter private Sponsoren die nicht kommerziellen Projekte in Daschas Garage möglich machen. Der Eintritt in die Hallen des Museums ist frei. (dpa)

 
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