28.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ulla Unseld-Berkéwicz würdigte Bruno Latour
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Jury hat Untersuchungen des Soziologen gewürdigt. Die Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlages, Unseld-Berkéwicz, lobte Latour als Grenzgänger zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.
Der französische Soziologe und Philosoph Bruno Latour ist am Sonntag in Frankfurt mit dem Siegfried-Unseld-Preis geehrt worden. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung gehe an einen der großen Erneuerer der Sozialwissenschaften, sagte die Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlags, Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkéwicz.
Als Grenzgänger zwischen Natur- und Geisteswissenschaften habe Latour die Mechanismen moderner Wahrheitsproduktion untersucht. Latour dankte für die umfassende und stimulierende Unterstützung des intellektuellen Lebens in Deutschland, von der er schon früh profitiert habe.
Auszeichnung zum dritten Mal vergebenPhilosoph Peter Sloterdijk sprach in seiner Laudatio für den 61-jährigen Preisträger von einem guten Tag für die Philosophie. Latour gehöre zu den weltweit meistzitierten Autoren auf seinem Gebiet. «Er widmet seine intellektuelle Energie der Frage, warum gelingt etwas», sagte Sloterdijk. Latours kaum noch überschaubare Arbeiten seien die «Hebung der Philosophie auf die Spitze des Gegenwärtigen».
Der zum dritten Mal von der Siegfried-Unseld-Stiftung verliehene Preis ist nach dem 2002 gestorbenen Suhrkamp-Verleger benannt. Er wird seit 2004 alle zwei Jahre immer am Geburtstag Unselds an Schriftsteller und Wissenschaftler vergeben. Am Sonntag wäre Unseld 84 Jahre alt geworden. Vor Latour hatten den Preis der österreichische Autor Peter Handke (2004) und die dänische Dichterin Inger Christensen (2006) erhalten.
Latour ist derzeit Professor an einer Elitehochschule in Paris. Er selbst verstehe sich als empirischer Philosoph, sagte er in seiner Dankesrede mit dem Titel «Coming out als Philosoph». Latour hat die Arbeitsweisen von Wissenschaft und Technik untersucht. Er steht durch das Einbeziehen der Wechselwirkung zwischen nicht-menschlichen Dingen und Menschen in seine Theorien für eine neue Sicht auf Umwelt und Gesellschaft. Latour kündigte an, er wolle seine Arbeit künftig um Fragen der Globalisierung erweitern. (dpa)