16.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bernd Eichinger und Uli Edel
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Viel Prominenz kam, um zweieinhalb Stunden voller Gewalt zu sehen: Der «Baader Meinhof Komplex» hat in München Premiere gefeiert. Autor Stefan Aust war jedenfalls sehr angetan von der Umsetzung seines Buches.
Mit viel Prominenz aus Film und Fernsehen hat am Dienstagabend in München der viel diskutierte Film «Der Baader Meinhof Komplex» seine Weltpremiere gefeiert. Der langjährige «Spiegel»-Chef Stefan Aust zeigte sich sehr angetan von der Verfilmung seines Buches. «Der Film ist wahnsinnig nah am Buch und damit auch sehr nah an der Realität», sagte er.
Angst, mit dem Streifen über die Bluttaten der Roten Armee Fraktion (RAF) bei den Opfern und ihren Angehörigen alte Wunden aufzureißen, hat er aber nicht. «Ich glaube, dass wir gerade den Opfern in diesem Film gerecht werden, indem wir zeigen, was Terrorismus ist, wie er aussieht: dass sich Leute anmaßen, Typen in die Luft zu sprengen, und in Wirklichkeit trifft es reale Menschen.»
Als Ehrengäste hatte die Constantin Film Produktion neben Aust Produzent Bernd Eichinger, Regisseur Uli Edel und die gesamte Riege der Darsteller geladen. Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck und Johanna Wokalek schritten ebenso über den Roten Teppich vor dem Münchner Mathäserkino wie Heino Ferch, Katharina Wackernagel, Nadja Uhl, Stipe Erceg oder Bruno Ganz. Nach der Premiere des zweieinhalbstündigen Films waren die Gäste zu einem Empfang im Münchner Haus der Kunst geladen.
Der Film hatte bereits in den vergangenen Tagen für große Diskussionen gesorgt. Wenige Stunden vor der Premiere hatte German Films den Streifen als deutschen Kandidaten ins Rennen um den Oscar für den besten nichtenglischsprachigen Film geschickt. Aufsehen hatte auch Regisseur Edel mit der Behauptung gesorgt, Ex-Terroristen hätten ihm die Namen der Mörder des früheren Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer verraten und damit eines der letzten noch ungelösten Rätsel um die RAF.
Jeder Zehnte hält die Taten der RAF für vertretbarViele Deutsche haben einer Umfrage zufolge nur geringe Kenntnisse über die Rote Armee Fraktion (RAF). In einer repräsentativen Umfrage geben 44 Prozent der 18- bis 35-Jährigen an, die Terrororganisation gar nicht oder nur dem Namen nach zu kennen. In der Generation der 36- bis 59-Jährigen sind es danach immerhin noch 27 Prozent. Zehn Prozent aller Befragten halten die Taten der RAF für zumindest teilweise vertretbar, wie die am Dienstag veröffentlichte Umfrage der Innofact-AG im Auftrag des Internet- Nachrichtenportals «zoomer.de» ergab.
Wirklich gut kennen sich mit der RAF nur wenige der Befragten aus: Ein gutes Viertel der 18- bis 35-Jährigen (26 Prozent) kennt nicht nur die politischen Ziele und Beweggründe der Terrororganisation, sondern weiß auch über ihre Taten Bescheid. Bei der älteren Generation der 36- bis 59-Jährigen sind es immerhin 42 Prozent. (dpa)