14.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das neue Buch von Shirley MacLaine
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei der Vorstellung ihrer Memoiren steigerte sich die Hollywood-Schauspielerin in die Rolle einer Missionarin für den Glauben an Außerirdische. Die Zuhörer zeigten deutlich, wie sie das fanden.
«Ich glaube, jetzt haben wir genug», sagt Shirley MacLaine nach fast zwei Stunden. Die Hollywood-Legende im schwarzen, von Pailletten glitzernden Jackett hat gerade einen schillernden und verstörenden Auftritt hingelegt. Eigentlich sollte die 74-Jährige am Samstagabend im kleinen Saal der Hamburger Laeizhalle die neu erschienene deutsche Übersetzung ihrer Memoiren vorstellen. Doch stattdessen erklärt die Oscar-Preisträgerin ihre Regeln für den Weg zur Spiritualität und kritisiert die Ignoranz der Menschen gegenüber Ufos.
MacLaine hat in mehr als 50 Filmen mitgespielt, 1984 erhielt sie einen Oscar für ihre Rolle in «Zeit der Zärtlichkeit». In den 60er Jahren demonstrierte sie gegen den Vietnamkrieg, später galt sie als eine Wortführerin der Frauenbewegung und Wahlkampf für die Partei der Demokraten hat sie auch gemacht. Seit Mitte der 80er Jahre veröffentlichte sie aber vor allem zahlreiche Esoterik-Bücher und trat als Veranstalterin spiritueller Seminare in Erscheinung.
Unter den rund 500 Gästen im Saal, die 25 Euro für eine Eintrittskarte gezahlt hatten, gibt es trotzdem nicht wenige, die sich offensichtlich nicht für MacLaines esoterische Ausführungen begeistern konnten und den Saal verlassen. «Warum gehen Sie?», fragt die Schauspielerin anfangs noch. «Vielleicht sind es rechtskonservative Christen.» Und lächelt.
«Menschliche Rasse von Außerirdischen gesät» «Wir sollten aufhören, Gott immer irgendwo da draußen zu suchen», zitiert der Moderator und Übersetzer zu Beginn aus MacLaines Autobiografie «Weiser, nicht leiser!» und fragt, was das heiße. «Aber das wissen sie doch genau», ist die Antwort. «Es geht um die Suche nach dem höheren Selbst statt nach einem Gott. Alle im Saal, die wissen, wovon ich rede, heben bitte die Hand.» Es sind viele Hände.
«Warum glauben Menschen, dass sie eine Autorität außerhalb ihrer selbst brauchen?», stellt sie sich selbst eine Frage und holt weit aus, um zu dem Punkt zu kommen, der ihr wichtig ist: «Ich glaube, dass die menschliche Rasse von Außerirdischen gesät wurde.»
Ufo-Hinweise in alten KeilschriftenSie referiert die Hinweise, die es darauf gebe: in den alten sumerischen Keilschriften, in der jüdischen Thora und in den Dokumenten zu Ufo-Sichtungen, die die US-Regierung bis heute unter Verschluss halte. «Ich kenne viele Menschen, die an Bord eines Ufos waren,» sagt sie. Sie alle hätten berichtet, dass ihnen die Außerirdischen zwei Dinge gesagt hätten: dass wir unsere Erde zerstören und dass es es keinen Tod gibt. Und dass sie immer wieder fragten: «Warum also fahrt ihr fort, euch gegenseitig umzubringen?»
Die Pointe kommt an und der Zusammenhang, den sie mit Berichten von Menschen mit Nahtod-Erfahrungen sieht, provoziert eine Frage aus dem Publikum. Die Mutter einer Zuhörerin ist vor einigen Wochen gestorben und die Frau möchte, «dass sie zurückgeschickt wird». MacLaine antwortet prompt und wie selbstverständlich: «Das ist die Entscheidung ihrer Mutter. Versuchen sie, oft an Orte zu gehen, wo ihre Mutter gerne gewesen ist.»
Warum sich die Außerirdischen denn nicht deutlicher bemerkbar machen, will ein anderer Gast wissen. Das täten sie, sagt MacLaine, doch in der Öffentlichkeit würden sie totgeschwiegen. «Es gibt ein kosmisches Gesetz der Nichteinmischung,» erklärt sie lächelnd. «Sie werden sich nicht einmischen, so lange wir sie nicht darum bitten. Dabei könnten wir eine Menge von ihnen lernen, etwa ein paar Techniken, um diesen Planeten zu retten.»
«Das interessiert doch jetzt nur noch die Freaks» Für manchen ist das zu viel, erneut verlassen Gäste den Saal. Unruhe macht sich breit, immer wieder gibt es Zwischenrufe. «Das interessiert doch jetzt nur noch die Freaks», ärgert sich eine Frau und geht zum Saal-Mikrofon, um ihre persönliche Frage zu stellen. «Wie sehen ihre eigenen, täglichen Techniken aus, um zur Spiritualität zu finden?» Das kann MacLaine schnell beantworten, und damit kehrt auch wieder amüsierte Ruhe im Publikum ein: «Die Nachrichten anschauen, ohne depressiv zu werden, keinen Müll aus dem Fenster werfen, nichts töten, um es zu essen. Und so nett wie möglich zu jedem sein, auch wenn er noch so nervt», lächelt sie.
Vor allem die hinteren Reihen haben sich sichtbar gelichtet. «Ich bewundere, wie ihr mit der Hitze hier drin zurechtgekommen seid», sagt MacLaine zum Abschied. «Mit der physischen und der spirituellen.» Der Applaus zur Begrüßung war lauter. (Michael Carlin, AP)