«Der Markt ist reif» :
Buchmesse will neue E-Books präsentieren
11. Sep 2008 12:01
 |  Der E-Book-Reader von Sony | Foto: AP |
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Der deutsche Markt für das «elektronische Buch» ist bislang eher klein und unübersichtlich. Doch das Interesse an der digitalen Lektüre steigt. Neue Lesegeräte sollen den Durchbruch bringen.
Für Aufsehen sorgt derzeit die Mayersche Buchhandlung. In sieben ihrer Filialen in Nordrhein-Westfalen testet sie das Geschäft mit dem E-Book, dem «elektronischen Buch». Bücherfreunde können in einem der neuen elektronischen Lesegeräte stöbern - und es dort gleich kaufen.
Dabei ist der Preis des «iLiad Reader» von der niederländischen Firma iRex im Vergleich zu gedruckten Büchern hoch: rund 500 Euro kostet das Gerät. Doch immerhin ist es mit 50 - meist englischsprachigen - Büchern bespielt. Und weitere Titel kann man sich darauf laden. Zum Beispiel Goethes Faust für ganze 1,43 Euro.
Technische Standards fehlen
Der Markt in Deutschland ist für E-Books bisher eher unübersichtlich, viele technische Standards fehlen. Das könnte sich auf der Frankfurter Buchmesse zwischen dem 15. und 19. Oktober jedoch ändern. Zahlreiche Verlage werden in ihrem Programm auch E-Books vorstellen. Mit großer Spannung erwartet die Fachwelt den Auftritt des Internethändlers Amazon. Sollte dieser hier seinen E-Book-Reader «Kindle» präsentieren, verspricht sich der deutsche Markt davon einen kräftigen Impuls.
«Das Leben wird leichter»
In den USA ist das weiße Lesegerät für elektronische Bücher schon seit 2007 zu haben. «Es ist eine Bücherei», lässt Amazon Autoren wie Nobelpreisträgerin Toni Morrison für den buchgroßen, knapp 300 Gramm schweren «Kindle» werben und verspricht: «Das Leben wird leichter.» Auf rund 160.000 Bücher von Amazon hat der Nutzer Zugriff. Weil der drahtlose «Kindle» über Mobilfunk ständig mit dem Internet-Riesen verbunden ist, lädt sich der Leser im Zug Tageszeitungen herunter und stöbert am Strand in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia oder einem von 350 Blogs.
Kein PC mehr nötig
Die «elektronische Tinte» auf hellgrauem Hintergrund erhöht die Lesbarkeit, mit Hilfe der Tastatur unter dem Bildschirm kann man «blättern» und Notizen machen. Auch die Firma Sony hat einen elektronischen Reader entwickelt.
 |  Nicht mehr utopisch: Digitale Lehrbücher | Foto: AP |
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Bislang waren die Nutzer von E-Books in Deutschland überwiegend auf ihren Computer angewiesen. Das gängige elektronische Buch im PDF-Format sieht auf dem Laptop genauso aus wie im Original und kann sich dem Bildschirm nicht anpassen. Deshalb stößt das papierlose Lesen immer noch auf große Skepsis.
«Forum Innovation» in Frankfurt
«Einen Krimi auf dem PC lesen? Das macht keiner. Dazu ist die Buchgemeinde doch zu sehr dem Papierformat angetan», sagt Larry Augschöll, bei der Verlagsgruppe Random House in München für E-Books zuständig. Neben einem bequemen Lesegerät mit dynamischem Bild mangelte es bisher auch an einer hochwertigen Auswahl vor allem belletristischer Titel. Wieviele Bücher schon digitalisiert sind, weiß niemand. Umsatzzahlen gibt es nicht. «2008 ist das große Jahr des E-Books. Der Markt ist reif für das Thema, aber er ist noch zu klein», sagt Erhardt F. Heinold. Der Unternehmensberater organisiert auf der Frankfurter Buchmesse das «Forum Innovation».
Wachstum bis zu 25 Prozent
Beim Umsatz mit E-Books handelt es sich seiner Einschätzung nach um «eine kleine einstellige Zahl, weit unter fünf Prozent». Auf fünf bis 25 Prozent könnte der Anteil elektronischer Bücher in den nächsten Jahren wachsen, heißt es aus dem Umfeld des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Anzeichen für ein steigendes Interesse an elektronischer Lektüre mehren sich deutlich. «Keiner möchte den Marktstart verpassen», sagt Augschöll. Random House bietet derzeit in Deutschland 450 elektronische Titel, die Münchner Verlagsgruppe Droemer-Knaur mehr als 50.
Verlage nutzen Reader für Manuskripte
Die Lektoren von Kiepenheuer & Witsch und vom S. Fischer Verlag nutzen teilweise bereits einen Reader zum Lesen von Manuskripten. «Belletristische Lektoren arbeiten mit E-Books. Das ist irre», kommentiert Heinold.
Wissenschaftliche Fachverlage geben ihre Werke immer häufiger sowohl in gedruckter als auch in digitalisierter Form heraus. Oder sie setzen bei technischen Inhalten, die sich rasch ändern, gleich auf die elektronische Variante.
Auch Unis rüsten um
Auch die Unis rüsten um. Die TU Darmstadt etwa verzeichnet rund 8.000 E-Books in ihrem Bibliothekskatalog, bis Jahresende sollen es 9.000 sein. Dabei wird das E-Book als PDF-Datei entweder wie das gedruckte Pendant auf Dauer gekauft, oder es kann gegen eine Lizenzgebühr für ein Jahr genutzt werden. Die Kosten für die Anschaffung von Büchern sind beim Lizenzmodell niedriger, erklärt Ina Dächert vom Arbeitsbereich E-Medien der TU. Außerdem haben über Computer wesentlich mehr Leser Zugriff auf ein Buch - kein Frust mehr, dass das gewünschte Buch schon ausgeliehen ist. «E-Books werden von Studenten immer besser genutzt», stellt Dächert fest.
Nicht weniger gedruckte Bücher
Der E-Book-Internethändler «ciando» bietet mehr als 30.000 Titel von rund 250 Verlagen. Hinter jedem Titel zeigt er die Preisersparnis gegenüber der Printausgabe. Ciando bietet auch an, was an das Zappen beim Fernsehen oder das Surfen im Internet erinnert: das Lesen in Häppchen. Über eine Suchfunktion kann man die entsprechenden Kapitel auswählen: «Kaufen Sie so viel (vom) E-Book, wie Sie wollen.» «Wir stellen noch nicht fest, dass die Zahl der gedruckten Bücher zurückgeht», sagt Ute Schwens, Hausdirektorin der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Hier steht man erst am Anfang, elektronische Bücher und Zeitschriften zu erfassen.
Doch auch sie glaubt: «Wenn die Entwicklung so weiter geht, man die Lesegeräte standardisiert und gegenseitig die Angebote eines anderen Verlages nutzen kann, wird das immer interessanter.» (Isabel Fannrich-Lautenschläger, epd)