05. Sep 2008 11:45
Das Malen von Aquarellen, farbenfrohen Kleinbildern und südlichen Impressionen tröstete den Schrifsteller Hermann Hesse über eine schwierige Zeit hinweg. Lange musste der Galerist suchen, um alle Kunstwerke zusammenzutragen.
Mit über 70 bisher nie öffentlich gezeigten Aquarellen und Zeichnungen wartet von Samstag an (bis 31. Oktober) die Düsseldorfer Galerie Ludorff auf. Die raren Exponate stammen aus mehreren Privatsammlungen und seien in achtjähriger Recherche zusammengetragen worden, sagte Galerist Rainer M. Ludorff am Freitag. Deutlich sind im bildkünstlerischen Werk Hesses zwei «Kapitel» zu unterscheiden: Kleinformatige Zeichnungen oder Aquarelle ergänzen sich oft mit den Abschriften von Gedichten, Großformatiges entstand als Geschenk an Familienmitglieder oder Freunde. Alle Arbeiten, die nach Auskunft des Galeristen zu Preisen von 1000 Euro bis 7000 Euro käuflich sind, entstanden ab 1919 wohl auch zur Verarbeitung einer tiefen Krise, die Hesse mit einem «neuen» Leben im Tessin zu überwinden suchte.
Malender Lehrmeister des Literaten war dort unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg Louis Moillet, 1914 Reisegefährte von August Macke und Paul Klee auf der legendären Tunisreise. So spiegeln auch Hesses frühe Blätter die kubistische Sichtweise des Malertrios: «Bei den Pyramiden» (1920) erscheint als orientalisierendes Naturmotiv ebenso in nahezu geometrische Farbflächen zerlegt wie der kleinformatige «Blick in Klingsors Garten».
Expressiv-lebhafter in Malweise und Farbwahl sind die späteren Arbeiten, wie ein Blick über den Lago Muzzano von 1925 mit «stacheligen» Bäumen und Büschen im Vordergrund. Südliche Strahlkraft haben die «Sonnenblumen in Montagnola», die Hesse um 1927 sonnengelb vor die kristallinen Dorfhäuser malte. Kleine Landschaften, meist in der freien Natur entstanden, ergänzte Hesse vielfach mit «passenden» Gedichten: Die «Häuser am Abend» (1918) erscheinen im letzten Sonnenlicht ebenso schwebend wie die beinahe kalligraphisch zugefügten Verse des Dichters. (Gerd Korinthenberg, dpa)