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«Bis heute nicht aufgefundene Hitler-Briefe»: 

Katharina Wagner will historische Aufarbeitung

03. Sep 2008 16:41
Traditionsreiches Erbe: Der Wagner-Clan
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Die To-Do-Liste der neuen Chefin am «Grünen Hügel» wird immer länger: Über Neubesetzungen bis zum Umgang mit Medien und der familiären Vergangenheit will sie vieles anders und «weniger patriarchenhaft» machen.

Katharina Wagner hat Absicht bekräftigt, die Festspiele historisch restlos aufarbeiten zu lassen, auch wenn es «dunkle Flecken» geben sollte. Im Gespräch mit dem Theatermagazin «Die Deutsche Bühne» erwähnte sie «bis heute nicht aufgefundene Hitler-Briefe». «In unserem Keller liegen bergeweise Akten. Die müssen endlich einmal aufgearbeitet werden.»

Das Bayreuther Festspielhaus habe alle Hochs und Tiefs der Geschichte des letzten Jahrhunderts mitgemacht – «deshalb darf man sich gerade hier vor der Vergangenheit nicht verstecken». Zur Finanzierung müssten Sponsoren gewonnen werden.

«Transparenz total»

«Es kann auch nicht sein, dass Teile einer zerstrittenen Familie weiterhin auf ihrem jeweiligen Aktenerbe sitzen. Und auch, wenn man nur heiße Luft findet, dann wird hoffentlich nicht mehr beständig an Mythen über Giftschränke und verschlossene Verließe gezimmert. Ich bin für Transparenz total.»

Die 30-Jährige kündigte eine «flexible, weniger patriarchenhafte» Festspielleitung in Bayreuth an. «Es wird in Bayreuth jetzt auch keine Nacht der langen Messer geben», sagte die Urenkelin Richard Wagners.

Keine elitären Feuilletonisten

Sie plant außerdem, das Opernfestival mehr für die Medienöffentlichkeit zu öffnen: «Warum soll ich mir nur ein paar elitäre Feuilletonisten gewogen halten?» Bayreuth müsse zugänglich gemacht werden» und auch ein «sympathisches Festival» sein. «Das beginnt schon mit der Beköstigungssituation, mit der ich überhaupt nicht zufrieden bin.»

Auch neue Besetzungen bei den Festspielen stehen an. So soll im neuen «Lohengrin» 2010 Annette Dasch die Elsa und Evelyn Herlitzius die Ortrud singen, Adrienne Pieczonka werde im neuen «Holländer» die Senta verkörpern. «Mit unserem Traum- Schwanenritter wird noch verhandelt.»

Auswahlverfahren wie «nordkoreanische KP»

Auf die Frage, wer den neuen «Ring des Nibelungen» zum 200. Geburtstag Richard Wagners 2013 inszenieren soll, meinte die neue Festspielleiterin: «Ja, wenn wir das wüssten. Lars von Trier war eben schon eine wunderbare Utopie. Einen Henckel von Donnersmarck wollen wir nicht. Aber bis 2013 soll Bayreuth wieder der unstrittige Mittelpunkt der Wagner-Welt sein.»

Nach Ansicht des Direktors der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, hat der Stiftungsrat über die Nachfolge von Wolfgang Wagner in einer «Geschlossenheit wie das Zentralkomitee der nordkoreanischen KP» votiert. «Das war doch einigermaßen erstaunlich - wobei ich keinesfalls die Qualifikation der beiden auserkorenen Damen in Frage stelle», sagte Holender in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Katharina Wagner und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier waren am Montag in Bayreuth einstimmig mit 22 Stimmen Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen gewählt worden. Holender nannte das gesamte «Auswahlverfahren» samt Konzepteinreichung und 20-minütiger Vorsprache «lächerlich» und sowohl für die Kandidaten als auch für Bayreuther Festspiele «entwürdigend». (nz/dpa)

 
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