Bewerber um Wagner-Nachfolge stellen Konzepte vor:
Heißer Konkurrenzkampf am «Grünen Hügel»
01. Sep 2008 15:16
 |  Wolfgang Wagner mit Töchtern Katharina (hinten) und Eva Wagner-Pasquier (re.) | Foto: dpa |
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Die Wagner-Erbinnen haben ihre Zukunftspläne für das Opernfestival in Bayreuth präsentiert. Kurz vor der entscheidenden Sitzung des Stiftungsrates meldete sich plötzlich ein weiterer Konkurrent.
Die beiden Bewerberpaare um die Nachfolge von Festspielleiter Wolfgang Wagner haben am Montag in Bayreuth dem Stiftungsrat der Richard-Wagner-Festspiele ihre Konzepte präsentiert. Den Auftakt machten Nike Wagner, die Tochter von Wolfgangs 1966 gestorbenen Bruder Wieland Wagner, und der international erfahrene Kunstmanager und Intendant Gérard Mortier. Anschließend stellten Wolfgang Wagners Töchter aus zwei Ehen, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, ihre Pläne für die Zukunft des weltweit bedeutendsten Opernfestivals vor.
Beiden Parteien wurden jeweils 20 Minuten Zeit eingeräumt. Danach soll die Entscheidung über die künftige Festspielleitung in Bayreuth getroffen werden. Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner galten als klare Favoriten und würden als Festspielleiterinnen in die Fußstapfen von Richard, Cosima, Siegfried, Winifred, Wieland und Wolfgang Wagner treten.
Pfingstsaison für junges Publikum
Die 63-jährige Nike Wagner drängte sich am Montag vor der Sitzung wortlos durch die Schar von Kameraleuten und Journalisten. Ihr Partner Gérard Mortier sagte nur «Wir gehen erst zum Stiftungsrat.» Die erbittert bis zuletzt kämpfende Weimarer Kunstfest-Leiterin hatte Mortier erst vor rund einer Woche als «Joker» im Bayreuther Bewerbungsspiel zur allgemeinen Verblüffung präsentiert.Beide wollen, wie es in ihrem Konzept heißt, Bayreuth zur «ersten Wagner-Bühne» machen und meinten, die bisherige Wagner-Tradition sollte «zum ersten Mal neu überdacht werden». Sie schlugen auch bis zu zwei Neuinszenierungen pro Saison und eine Bayreuther Pfingstsaison mit Uraufführungsaufträgen («Wagner tomorrow») als «Anlaufplatz für junges Publikum» und Gastspielen im Markgräflichen Opernhaus vor. Beide erneuerten ihr Angebot an Eva Wagner-Pasquier, sich in ihrem Leitungsteam zu beteiligen, was diese aber abgelehnt hat.
Keine revolutionären Neuerungen
Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner wollen die Festspiele behutsam reformieren, planen aber keine großen Änderungen, geschweige denn revolutionäre Neuerungen. Ziel ihres Konzeptes mit dem Titel «Zukunft Bayreuth» ist es, die künstlerische Qualität der Festspiele zu steigern und die mediale Vermittlung und Vermarktung zu verbessern. «Was im Bayreuther Festspielhaus zu hören und zu sehen ist, soll der Inbegriff und Maßstab für die musikalische und szenische Deutung von Richard Wagners Musikdramen sein», heißt es in dem neunseitigen Papier. Der Spielplan soll auch künftig auf die zehn von Richard Wagner selbst für festspielwürdig erklärten sechs Einzelwerke und den «Ring des Nibelungen» beschränkt bleiben. Bei der Sicherung der musikalischen Qualität soll Hausdirigent Christian Thielemann als Berater helfen.
Unehelicher Sohn meldet sich
Quasi in letzter Minute vor der entscheidenden Sitzung meldete außerdem ein angeblicher unehelicher Sohn von Wieland Wagner seine Ansprüche auf die Festspielleitung an. Der bislang nicht in Erscheinung getretene Richard Bauer will bei den Festspielen freien Eintritt einführen und seine neue Bayreuther Dramaturgie mit den Einnahmen aus einer Fernsehserie über das Haus Wagner gegenfinanzieren, um eine breite Öffentlichkeit zu gewinnen. In einer E-Mail ließ der 44-Jährige mitteilen, dass er allen interessierten Familienmitgliedern eine Mitarbeit an den Bayreuther Festspielen anbietet. «Er selbst wäre im Falle seiner Ernennung bereit, den Namen Wagner anzunehmen», hieß es. Vor Beginn der Sitzung wollten sich die Mitglieder des Stiftungsrates nicht zu den Bewerbungen äußern. In dem Gremium sind der Bund und der Freistaat Bayern mit jeweils fünf der insgesamt 24 Stimmen vertreten. Die Stadt Bayreuth verfügt über drei Stimmen, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, der Bezirk Oberfranken und die Bayerische Landesstiftung über jeweils zwei. Über je eine Stimme verfügen die vier Stämme der Familie Wagner und die Oberfrankenstiftung.
Kein Vertrag auf Lebenszeit mehr
Wolfgang Wagner stand seit 1951 an der Spitze des weltweit renommierten Opernfestivals, zunächst mit seinem Bruder Wieland und seit dessen Tod 1966 allein. Der 89-Jährige hatte sein Amt zum 31. August niedergelegt. Mit seinem Rücktritt traten der Bund sowie Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth zu je gleichen Teilen als Gesellschafter in die GmbH ein.Nach der Entscheidung des Stiftungsrats bestellt die Gesellschafterversammlung die neuen Geschäftsführer, um sie auch sofort in das Handelsregister eintragen zu lassen, womit auch rechtlich die nahtlose Handlungsfähigkeit der GmbH gewährleistet ist. Der Verwaltungsrat muss dann die Anstellungsverträge aushandeln, was bis Anfang 2009 geschehen soll.
Es wird jedoch keinen Vertrag auf Lebenszeit mehr geben wie noch im Falle Wolfgang Wagner. Er hatte die 1876 begründeten Festspiele, die auch als «Mutter aller Festspiele der Neuzeit» bezeichnet werden, bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland geleitet. Noch 2001 hatte er auf seinen lebenslangen Vertrag gepocht und damit die vom Stiftungsrat beschlossene Ernennung seiner Tochter Eva aus erster Ehe zu seiner Nachfolgerin verhindert. Damals wollte er seine inzwischen verstorbenen zweite Frau Gudrun als «Statthalterin» für die damals noch junge gemeinsame Tochter Katharina durchsetzen. (nz/dpa)