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Robert Crumb zum 65.: 

«Ich vermisse US-Frauen mit großen Hintern»

30. Aug 2008 16:13
Happy Birthday Mister Crumb!
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Vom obszönen Kater zum grauen Panther: Der Comiczeichner wurde mit der Figur des wolllüstigen «Fritz the Cat» weltberühmt. Crumb zeichnete, weil er geliebt werden wollte- und nicht wusste, wohin mit seinen Sex-Fanatasien.

Für die einen ist der amerikanische Comiczeichner Robert Crumb ein professioneller Perverser und Sexist, für die anderen ein Künstler im Stil von Pieter Brueghel, Otto Dix oder George Grosz. Doch dem Erfinder von «Fritz the Cat», dem hedonistischen Kater, der ungeniert seine Obsessionen auslebt, ist es egal, was andere von ihm denken. «Ich liebe es einfach nur, die Dinge etwas durcheinanderzuwirbeln», sagte Crumb.

Der Cartoonist, der an diesem Samstag 65 Jahre alt wird, ist mit seinen sprechenden Tieren, die ihren sexuellen Fantasien freien Lauf lassen, zu einer Comic-Ikone des 20. Jahrhunderts geworden und zu einem der persönlichsten Zeichner seiner Zeit, denn keiner hat es mit seinen persönlichen Marotten und Fantasien so weit gebracht wie er.

«Sex spielte bei mir eine enorme Rolle. Ich begann zu zeichnen, damit man mich begehrt und liebt. Ich war gezwungen, diese Masturbations-Fantasien zu zeichnen. Ich kam nicht dagegen an, konnte nicht aufhören, konnte es nicht kontrollieren», erklärte der 1943 in Philadelphia geborene Crumb, der vor allem auf wohlbeleibte Frauen steht. Das sei übrigens das einzige, was er in Frankreich vermisse, die «US-Frauen mit ihren großen Hintern».

«Franzosen sind weniger prüde als Amereikaner»

Crumb lebt seit 1990 mit seiner Frau Aline in Sauve, einem knapp 2000 Einwohner zählenden Dorf in Südfrankreich, im Nationalpark der Cevennen. Den Amerikaner hat es nach Südfrankreich gezogen, weil er und seine Frau schon immer Frankreich mochten, aber auch, weil Franzosen «weniger prüde seien als Amerikaner.» Viele der sexuellen Extravaganzen des Comiczeichners wurden in Amerika zensiert, weshalb seine Bildgeschichten in Deutschland, Kanada und Frankreich verlegt wurden.

Mit seinen mickrigen Männchen und seinen wallkürenhaften Frauen tauchte Crumb als junger Zeichner zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort auf: in San Francisco in den 60er Jahren. Es war die Zeit der Blumenkinder, der Hippie-Szene, die keine Rücksicht auf Etikette und Gesetz kannte und sich mit Crumbs wollüstigem Kater Fritz identifizierte, aber auch mit dem etwas lächerlich dargestellten «Mr. Natural», dem Aussteigertyp mit Rauschebart.

Mit «Fritz the Cat» über Nacht zum Star

Der Wahl-Franzose malte bereits als Kind und Jugendlicher zusammen mit seinem älteren Bruder Charles Comic-Hefte, bevor er mit knapp 25 Jahren nach Kalifornien ging, um mit anderen Comiczeichnern das Alternativ-Heft «Zap!» herauszugeben. Mit «Fritz the Cat» wurde er schließlich Ende der 60er Jahre über Nacht zum Star der Funny-Animal- Comics.

Doch schon 1972 ließ Crumb aus Enttäuschung über den gleichnamigen Zeichentrickfilm des Regisseurs Ralph Bakshi seinen Erfolgskater sterben: Fritz wird von einem Huhn ermordet, das er zuvor misshandelt hat. Von nun an widmete sich Crumb mehr seiner zweiten Leidenschaft, der Musik. Als begeisterter Banjospieler gründete er 1972 die Jazz- Band «The Cheap Suit Serenaders».

Mit dem Alter weniger sexistisch und obszön

Heute arbeitet Crumb mit seiner Frau und seiner Tochter zusammen. Eine ihrer gemeinsamen Arbeiten erschien 2003 in Deutschland unter dem Titel «Schmutzige Wäsche». Seine Zeichnungen sind mit zunehmendem Alter weniger sexistisch und obszön geworden. «Das ist eine Erleichterung. Das Zeichnen ist mir inzwischen ohnehin so selbstverständlich geworden wie das Atmen. Man tut es einfach. Ohne meine Arbeit wäre das Leben vollkommen sinnlos», erzählte Crumb, eine neue Leidenschaft entdeckt hat: das Sammeln von Schellackplatten, von denen er mittlerweile rund 5000 Exemplare besitzt. (Sabine Glaubitz, dpa)

 
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