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Auftritt im Berliner Olympiastadion: 

Madonna packt die Muckis aus

28. Aug 2008 22:21
Sie gab dem Publikum auch
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Höher, schneller, weiter - bei Madonnas Auftritt vor 50.000 Fans im Olympiastadion zählte vor allem der Leistungsgedanke. Zwar stimmte die Fitness, doch ließ die Stimme der 50-Jährigen eher zu wünschen übrig.

Den kniffligsten Teil ihres Auftritts im Berliner Olympiastadion meisterte Madonna im Sportdress und mit Turnschuhen - das Seilspringen. Mit dem «doppelten Holländer» stellte sich die Fitnessfanatikerin am Donnerstagabend erwartungsgemäß einer Höchstschwierigkeit, bei dem gegenüberstehende Schläger zwei Seile in Gegenrichtung rotieren. Kaum hatte die 50-Jährige die Übung im Takt ihres Uralt-Hits «Into The Groove» unfallfrei absolviert, ballte sie die Faust zur Siegerpose.

Höher, schneller, weiter - stärker als je zuvor zählt für Madonna im 25. Jubiläumsjahr als Musikerin der Leistungsgedanke. Mit rasanten und teils akrobatischen Tanzeinlagen demonstrierte sie den 50.000 Fans in Berlin zwei Stunden lang Ausdauer, Kraft und Gelenkigkeit, als wenn eine Olympiamedaille zu vergeben gewesen wäre. Für die aus hartem Training erwachsene sportliche Leistung gebührt ihr reichlich Respekt, und auch die optisch opulente Show mit viel Video- und Lasereinsatz ließ in technischer Hinsicht kaum Wünsche offen.

Doch muss sich Madonna an anderen Maßstäben messen lassen als ein Casting-Bewerber bei «Deutschland sucht den Superstar». Und bei der Hauptsache, der Musik und dem Gesang, offenbarten sich leider Schwächen. Ganz offensichtlich mussten Techniker Madonnas Stimme mit viel Computereinsatz zu mehr Kraft und Ausdruck verhelfen, zudem bedurfte sie fast dauernd der stimmlichen Stütze durch Backgroundsänger. Als sie die «Evita»-Schnulze «You Must Love Me» ganz allein sang, quietschte sie sich eher mühsam über die Runden.

Moderner Clubsound verwischt Details

Bei vielen Songs aber war es ohnehin egal, ob Madonnas Gesang live war oder vom Band kam, denn über weite Strecken klang die Popdiva wie ihr eigener Remix. Ob «Vogue», «Into The Groove» oder «Like A Prayer» - die Klassiker waren unterlegt mit dominanten House- oder Technobeats, die ihnen einen modernen Clubsound aufdrückten und über Details hinwegbretterten. Anstrengend geriet ein rund halbstündiger Abschnitt mit spanischem Touch und Balkanbeats, in dem Madonna «Spanish Lesson», «Miles Away» und «La Isla Bonita» zum Besten gab. Warum sie dann sogar einer langweiligen Gipsyband komplett die Bühne überließ, wie sie in Berlin an jeder Straßenecke spielt, bleibt wohl Madonnas persönliches Geheimnis.

Starkes Finale

Stark geriet hingegen das Finale, bei Hits wie «4 Minutes», «Like A Prayer», «Hung Up» und «Give It To Me» gingen auch die Fans richtig mit, bevor ein riesiges «GAME OVER» das unwiderrufliche Ende verkündete und Zugabenrufe brüsk abwürgte. Das Stadion war nicht ganz ausverkauft, einige tausend Plätze blieben leer. Es war das dritte Konzert ihrer Welttournee unter dem Motto «Sticky and Sweet», und wie schon zuvor in Cardiff und Nizza stellte Madonna in einer Bildershow einen Bezug zwischen dem konservativen US-Präsidentschaftsbewerber John McCain und Adolf Hitler her. Sein politischer Gegenspieler Barack Obama wurde hingegen zusammen mit Nelson Mandela und Mutter Teresa gezeigt.

Während der opulenten Show wechselte Madonna acht Mal ihre Garderobe, wobei ihr hinter der Bühne fünf Helfer zur Seite standen. Umringt wurde sie von 16 Tänzern und zwölf Musikern. 3.500 Kleidungsstücke wurden von 36 Designern speziell für die Queen of Pop und ihre Tänzer entworfen. Weitere Stationen in der Bundesrepublik sind Düsseldorf am 4. September und Frankfurt am Main am 9. September.

Bis 18. Dezember auf Tournee

Die «Sticky and Sweet»-Tour wird Madonna bis einschließlich September quer durch Europa führen. Im Oktober steht Nordamerika auf dem Programm, am 18. Dezember ist das Abschlusskonzert in Brasilien geplant.

Zuletzt war Madonna 2006 mit «Confessions On A Dancefloor» auf Tour gegangen, das Lied «Hung Up» mit einem ABBA-Zitat war ein Riesenhit. Für Aufregung sorgte ihr Auftritt mit Dornenkrone vor einem Kreuz: Die Kirchen verurteilten dies als gotteslästerlich und riefen zu Konzertboykotten auf. 2008 ist für die am 16. August 1958 in Bay City im US-Staat Michigan geborene Künstlerin ein doppeltes Jubiläumsjahr: Sie ist 25 Jahre im Popgeschäft und feierte ihren 50. Geburtstag. Mehr als 200 Millionen Tonträger hat Madonna verkauft, umjubelte Welttourneen absolviert und in 22 Filmen mitgewirkt, von denen allerdings fast alle floppten. (Torsten Holtz/AP)
 
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