Marsch entlang der Donau:
Archäologie auf die harte Tour
28.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Es geht um die Belastungen für Mensch und Material auf der rund 500 Kilometer langen Strecke. Bis zu 35 Kilo schleppen die Akademiker mit sich herum. Schwert, Schild, Lanze, Kettenhemd oder Spangenrüstung nach Originalvorbild drücken ihre Träger nach unten, und auch die Umhängetasche der Legionäre ist schwer.
Das belastet besonders den Rücken, der den Großteil des Gewichts tragen muss. «Fußgelenke, Kniegelenke und die Schultern schmerzen», erzählt der Anführer der Gruppe, Doktorand Josef Löffl, während er sich auf seinem krummen braunen Wanderstab abstützt. Jedes Mal, wenn der Trupp einen Stopp einlegt, beugen sich sofort einige Soldaten leicht nach vorne um den Rücken zu entlasten. «Das normale Stehen ist anstrengender als das Gehen», sagt Student Josef Geisberger.
Auch Blasen und wunde, von der Rüstung aufgescheuerte Stellen plagen die Gruppe. «Wenn Teile klappern oder hin und her rutschen, schürfen sie an der Haut», berichtet Kommilitone Martin Schreiner. Abbrechen musste laut Löffl aber trotzdem erst ein Teilnehmer, bei dem sich eine alte Sportverletzung bemerkbar machte.
Noch wichtiger als die Belastungen für die Marschierenden ist für das Forschungsprojekt aber die Belastung der selbst hergestellten Ausrüstung. Vom Schuhnagel, über den Ledergurt bis zum Schwert haben sie sich an alten Originalvorlagen aus dem Römischen Reich orientiert. Die Akademiker haben das meiste in stundenlanger Handarbeit gefertigt. Jetzt wollen sie sehen, wie es sich in Realität bewährt. Auch ein Schmied ist dabei, der die Waffen und Rüstungen inspiziert und bei Bedarf repariert.
Das Experiment solle Aufschluss geben, welche Kosten das römische Heer verursachte. Löffl ist vom Erfolg seines Vorgehens überzeugt: «Man kann mit banalsten Experimenten einfache Zahlengrundlagen bekommen», sagt er.
Für die Studenten ist die Reise vor allem eine Herausforderung. Für seine Kondition habe er vor drei Monaten mit Ausdauer- und Krafttraining begonnen, erzählt Geisberger. Außerdem erhofft sich der Geschichtsstudent - wie manch anderer seiner Begleiter - Inspiration für seine Abschlussarbeit. Sturm, Hagel und 35 Grad Hitze hätten sie schon aushalten müssen, gefährlich sei die Reise aber nie gewesen, betont Anführer Löffl.
Nur das Kartenmaterial habe Probleme bereitet. «Manchmal ist ein Fluss da, aber kein Brücke», erzählt er von einer Etappe in Österreich zwischen St. Pölten und Melk. Aus den geplanten rund 29 Kilometer Route wurden nach 17 Stunden Umherlaufen 35. In solchen Situationen hält sich Geschichtsstudent Geisberger an eine eiserne Regel: «Einfach durchhalten.» Auch die gab es schon bei den Römern. (Bastian Reichert, AP)

