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Cartier-Bresson vor 100 Jahren geboren: 

Der Meister des entscheidenden Augenblicks

22. Aug 2008 07:36
Cartier-Bresson im Jahr 2000 in Paris
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Seine Bilder sind in die Geschichte eingegangen. Cartier-Bresson fotografierte die Beerdigung von Gandhi und Menschen an der Berliner Mauer. Er war ein sensibler Fotograf, der vor allem im richtigen Moment den Auslöser drücken wollte. Ein Rückblick.

Der «entscheidende Augenblick» wurde zu seinem Markenzeichen: Der Moment, in dem das Bild am meisten erzählt, die größte Spannung hat oder die intensivste Ruhe atmet. Henri Cartier-Bresson, geboren vor 100 Jahren am 22. August 1908, gestorben 2004, gilt als einer der herausragenden Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Von den 30er bis in die 70er Jahre war er einer der wegweisenden Reportagefotografen. Er hat die Bildreportage in Kunst überführt. Seine besten Bilder, und das sind unzählige, haben bis heute ihre Ausdruckskraft bewahrt.

Viele seiner Aufnahmen haben sich ins Gedächtnis eingebrannt: Die Frau, die bei der Befreiung eines Konzentrationslagers 1945 ihre Denunziantin wiedererkennt; drei Männer, die 1962 in der Bernauer Straße über die Berliner Mauer schauen; die Reportage von der gewaltigen Trauerfeier für Mahatma Gandhi 1948. Aber auch der Alltag der Menschen hat ihn interessiert, der bekannten und der völlig unbekannten. Und er war ein aufmerksamer, sensibler Porträtfotograf.

Camus, Sartre, Matisse fotografiert

1946 hat er Jean-Paul Sartre auf einer Brücke fotografiert, eine Pfeife rauchend. Ähnlich eindrucksvoll sein Porträt des Dichters Albert Camus, des Malers Henri Matisse oder der Schauspielerin Marilyn Monroe. Immer wieder hat er auch Kinder aufgenommen, die fröhlich sind und ausgelassen, und Erwachsene, die auf Wiesen und an Flussufern schlafen und träumen. Das Glück, das er gesucht hat, hat er hier gefunden. Cartier-Bresson hat diesen Zustand der Harmonie den Katastrophen der Epoche abgerungen.

Geboren wurde der Fotokünstler am 22. August 1908 in Chanteloup im französischen Departement Seine-et-Marne, gestorben ist er am 2. August 2004 in seinem Haus in der Nähe von Marseille. Er hatte zuerst Malerei studiert und zu zeichnen begonnen. Schon Ende der 20er Jahre kam er zur Fotografie - seine frühen Aufnahmen sind vom Surrealismus mitgeprägt.

Arbeit beim Film

Danach arbeitete Cartier-Bresson einige Zeit beim Film, drehte Dokumentarfilme während des Spanischen Bürgerkriegs und war Mitglied der Film- und Fotoeinheit der französischen Armee. 1940 geriet er in deutsche Gefangenschaft, kam in den Schwarzwald. 1943 gelang sein dritter Fluchtversuch von dort. In den letzten Kriegsjahren dokumentierte Cartier-Bresson dann als Fotograf und Regisseur die Befreiung Frankreichs. Sein Film «Le retour» zeigt die Heimkehr der Kriegsgefangenen.

Von großer Bedeutung war 1947 die Gründung der Fotoagentur Magnum, an der Cartier-Bresson entscheidend beteiligt war. Es ging darum, die Rechte der Fotografen an ihren Aufnahmen zu sichern - damals noch keine Selbstverständlichkeit. Cartier-Bresson war, wie viele seiner Magnum-Kollegen, in den folgenden Jahrzehnten fast ununterbrochen auf Reisen. Er fotografierte in ganz Europa - auch hinter dem damaligen Eisernen Vorhang - und in den USA, Mexiko, Indien, Birma, Pakistan oder China.

Zunächst keine Fotos des Künstlers

Viele Jahre gab es so gut wie keine Aufnahmen, die Cartier-Bresson selbst zeigten. Das hat sich später geändert, und zur großen Freude seiner Bewunderer ließ er 2003 sogar einen Dokumentarfilm über sich drehen, der 2007 ins Kino kam («Henri Cartier-Bresson - Biographie eines Blicks»). Der Schweizer Regisseur Heinz Bütler porträtiert darin zurückhaltend und voller Zuneigung einen munteren alten Herrn, der viele seiner berühmten Aufnahmen pointiert kommentiert.

«Mich interessiert die Geometrie des Bildes», sagte Cartier-Bresson, «wenn alles ist, wo es hingehört». Er hatte einen untrüglichen Sinn für diesen Moment - und wenn es nur der Bruchteil einer Sekunde war - und drückte genau dann auf den Auslöser. (Von Wilhelm Roth/ epd)

 
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