08. Aug 2008 21:38, ergänzt 09. Aug 2008 10:44
Sein Werk ist eine Entdeckung: Jacob Kjeldgaard veröffentlichte in den 30er Jahren viele Fotomontagen, die mit satirischem Witz gegen die Nazis agitierten. Unter Pseudonym zeigte er den «Führer» als King Kong, Anstreicher und Blinden.
Während Heartfield ein Begriff ist, galt der Fotomonteur der «Marianne» bis vor kurzem als unbekannt. Erst 2007 erfuhr die dänische Öffentlichkeit durch eine Ausstellung in Aalborg, dass sich Kjeldgaard dahinter verbarg. «Eine Sensation», meint Bodo von Dewitz, Leiter der fotografischen Sammlungen am Museum Ludwig. Nur weil Kjeldgaard konsequent im Hintergrund blieb, konnte er die deutsche Besatzung Frankreichs überleben.Marinus zeigte Hitler mal als King Kong, mal als Anstreicher oder Blinden aus einem Bruegel-Bild. Vor allem in den dramatischen Jahren 1939 und 1940 arbeitete er auf Hochtouren. Mit beißendem Spott kommentierte er Hitlers Expansionspolitik, verschonte dabei aber auch westliche Politiker nicht, die den Diktator so lange gewähren ließen.
Anders als der Kommunist Heartfield durchschaute Marinus auch Stalin als erbarmungslosen Schlächter. Der nach Frankreich emigrierte Däne erreicht nicht ganz die Qualität der besten Arbeiten Heartfields, ist aber auf jeden Fall als bedeutende Entdeckung einzustufen. Bewundernswert sind seine politische Weitsicht, sein Witz und Ideenreichtum.Aber auch die Technik verblüfft. Heute müsste man am Computer noch lange tüfteln, um die entsprechenden Gesichter in die Hintergrundbilder zu kopieren, doch Marinus erledigte das alles mit Schere und Kleber. Und am Ende sieht es perfekt aus. Dafür muss er ein großes Archiv an ausgeschnittenen Hitler-Köpfen besessen haben, um immer gerade den passenden Gesichtsausdruck, die richtige Größe und Haltung zur Hand zu haben. Was für ein Mensch er gewesen ist, bleibt vorerst ein Rätsel. Eine unscharfe Aufnahme zeigt einen zutiefst bürgerlichen Herrn mit Hut, Krawatte, Mantel, der ungeduldig darauf wartet, dass der Fotograf – sein Neffe – endlich abdrückt. (dpa)