29.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Kommen zusammen zum Lido: Petzold (re.) und Hoss
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Venedig-Fieber steigt: 21 Filme sind für den Wettbewerb um die begehrte Trophäe nominiert. Jede Menge Hollywood-Stars haben sich angekündigt - und erstmals seit Jahren ist wieder ein deutscher Vertreter dabei. Mit Video
Der deutsche Regisseur Christian Petzold tritt mit «Jerichow» im Wettbewerb um den «Goldenen Löwen» der 65. Filmbiennale von Venedig an. 21 Filme gehen ins Rennen um den goldenen Löwen, teilten Biennale-Präsident Paolo Baratta und der künstlerische Festivaldirektor Marco Müller am Dienstag in Rom mit. Das Branchentreffen in der Lagunenstadt gilt neben Berlin und Cannes als weltweit wichtigstes Festival.
Es wird am 27. August mit «Burn After Reading nach dem Lesen vernichten», dem neuen Film der Brüder Joel und Ethan Coen, eröffnet. Der Krimi über die Memoiren eines suspendierten CIA-Agenten läuft außer Konkurrenz. In den Hauptrollen sind George Clooney, Brad Pitt, John Malkovich und Tilda Swinton zu sehen.
Nina Hoss wieder Anwärterin auf AuszeichnungPetzolds «Jerichow» ist bereits sein vierter Spielfilm mit Nina Hoss. Bei der Berlinale erhielt sie letztes Jahr den silbernen Bären für ihre Hauptrolle in «Yella». Der 47-jährige Regisseur hat sein neues Werk über «eine der ältesten Geschichten der Welt, um Zwietracht, Gier und Leidenschaft» außerdem mit Benno Führmann und Hilmi Sözer gedreht. Kinostart ist der 8. Januar 2009.
In den vergangenen Jahren waren keine deutschen Beiträge im Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Neben Petzolds Werk sind dieses Jahr drei Filme mit deutscher Produktionsbeteiligung dabei. In einer französisch-deutsch-portugiesischen Koproduktion tritt Werner Schroeter an. Der deutsche Starregisseur Wim Wenders leitet die siebenköpfige Festival-Jury, zu der unter anderen auch John Landis und Valeria Golino gehören.
Kino soll «vor der problematischen Gegenwart retten»Kino sei zu einer Mischung aus Ideen, Kräften, Mythen und Geschichten geworden, es solle nicht mehr als unfehlbarer Kompass angesehen werden «und wir wollen vom Kino auch nicht mehr verlangen, uns vor der problematischen Gegenwart zu retten», sagte Festivaldirektor Müller bei der Präsentation.
Die 65. Ausgabe des Festivals sei «pluralistisch und damit gewollt widersprüchlich» angelegt. Qualität, erzählerische Freiheit, eine prächtige filmische Form und die Herausforderung des gesunden Menschenverstandes nannte Müller als wesentliche Kriterien.
Staraufgebot am Canal Grande Mit Starbesetzungen geht der amerikanische Film am Canal Grande an den Start. In Guillermo Arriagas «The Burning Plain» wirken Charlize Theron, Kim Basinger und Joaquim de Almeida mit, Kathryn Bigelows «Hurt Locker» wartet mit Ralph Fiennes und Guy Pearce auf. Auch Jonathan Demmes «Rachel Getting Married» mit Anne Hathaway sowie Darren Aronofskys «The Wrestler» mit Mickey Rourke sind unter den US-Beiträgen.
Außerhalb des Wettbewerbs laufen bei dem Festival bis zum 6. September neben dem Eröffnungsfilm neue Werke von Abbas Kiarostami, Manoel de Oliveira und Agnés Varda. Bei der Biennale wird zudem der Film «Der Zorn» von Pier Paolo Pasolini aus dem Jahr 1963 in einer bislang unveröffentlichten Version gezeigt.
Der italienische Regie-Altmeister Ermanno Olmi erhält für sein Lebenswerk auf dem Festival einen Goldenen Ehren-Löwen. Italiens Rock-Röhre Adriano Celentano, als Regisseur von «Yuppi Du» außer Konkurrenz präsent, wird Olmi den Preis am 5. September überreichen.
Theo Angelopoulos kommt nichtAuch eine Absage trübt die Vorfreude: Der griechische Regisseur Theo Angelopoulos («Die Ewigkeit und ein Tag») wird seinen neuen Film «Dust of Time» nicht wie geplant in Venedig vorstellen. «Ohne meine Schauspieler gehe ich nicht hin», sagte Angelopoulos am Montag der griechischen Presse.
Angelopoulos hatte den Film mit dem Schweizer Schauspieler Bruno Ganz in Athen, Berlin, Nordrhein- Westfalen, Rom und Kanada gedreht. Als Grund nannte Angelopoulos Streitigkeiten um den Präsentationstermin. Die Festivalleitung hatte den von Regisseur und Schauspielern gewünschten Termin nicht garantieren können.
In «Dust of Time» erzählt Angelopoulos die Geschichte eines Regisseurs, der das Leben seiner Eltern verfilmt. Die Hauptrollen spielen - neben Ganz - Willem Dafoe, Michel Piccoli und Irène Jacob. Der Film soll etwa acht Millionen Euro gekostet haben und ist eine deutsch-russisch-griechisch-italienische Co-Produktion. Mit Ganz drehte Angelopoulos bereits «Die Ewigkeit und ein Tag», mit dem er 1998 beim Internationalen Filmfest in Cannes die Goldene Palme gewann. (nz/dpa/epd)
Alle 21 Filme im Wettbewerb:Aus den USA:«The Wrestler» von Darren Aronofsky
«The Burning Plain» von Guillermo Arriaga
«Hurt Locker» von Kathryn Bigelow
«Rachel Getting Married» von Jonathan Demme
«Vegas: Based on a True Story» von Amir Naderi
Aus Italien:
«Il papà di Giovanna» von Pupi Avati
«BirdWatchers» von Marco Bechis
«Il seme della discordia» von Pappi Corsicato
«Un giorno perfetto» von Ferzan Özpetek
Aus Frankreich:
«L'Autre» von Patrick Mario Bernard und Pierre Trividic
«Inju, la Bête dans l'Ombre» von Barbet Schroeder
«Gabbla» (Inland) von Tariq Teguia (Algerien, Frankreich)
Aus Japan:
«Gake no ue no Ponyo» (Ponyo on Cliff by the Sea) von Hayao Miyazaki
«Akires to kame» (Achilles and the Tortoise) con Takeshi Kitano
«The Sky Crawlers» von Mamoru Oshii
Aus Deutschland/mit deutscher Produktionsbeteiligung:
«Jerichow» von Christian Petzold
«Teza» von Haile Gerima (Äthiopien, Deutschland, Frankreich)
«Süt» von Semih Kaplanoglu (Türkei, Frankreich, Deutschland)
«Nuit de chien» von Werner Schroeter (Frankreich, Deutschland, Portugal)
Aus Russland:
Bumaznyj soldat (Paper Soldier) von Aleksey German Jr.
Aus China:
«Dangkou» (Plastic City) von Yu Lik-wai (Brasilien, China, Hongkong/China, Japan)
Video: Trailer zum Eröffnungsfilm «Burn After Reading»(engl.)