Es beobachtete James Bond bei einer Verfolgungsjagd und wurde für die Fußball-EM orange gefärbt: Das Bühnenbild von Puccinis «Tosca» geht nun wieder seiner wahren Bestimmung nach. Zur Premiere wird auch Hollywood- Prominenz erwartet. Mit Video
Unter dem Motto «Macht und Musik» beginnen in Österreich an diesem Mittwoch die 63. Bregenzer Festspiele. Im Mittelpunkt steht die Wiederaufnahme von Giacomo Puccinis Oper «Tosca» vor der spektakulären Kulisse eines riesigen Auges auf der Seebühne. Zur Premiere könnte auch US-Schauspieler Daniel Craig vorbeischauen.
Wie die «Salzburger Nachrichten» berichteten, haben sich neben ZDF-Intendant Markus Schächter und Sportchef Dieter Gruschwitz auch einige Vertreter der aktuellen James-Bond-Produktion angemeldet.
Werbung durch Fußball und Hollywood
Sie alle waren bereits im Mai für Dreharbeiten am Bodensee zu Gast: Die «007»-Produzenten ließen Craig bei einer wilden Verfolgungsjagd über die «Tosca»-Bühne stürmen. Der neue James Bond-Film «Ein Quantum Trost» läuft im November in den deutschen Kinos an.
Nährt Gerüchte, dass er "Tosca" anschauen wird: Daniel Craig
Foto: AP
Während der Fußball-EM im Juni färbte das ZDF das «Tosca»-Auge orange ein und ließ von der Seebühne aus unter anderem Moderator Johannes B. Kerner die Spiele für das Fernsehen analysieren. Die beiden Fremdnutzungen hätten den Festspielen einen unerwarteten zusätzlichen Nutzen gebracht, sagte Festspielpräsident Günter Rhomberg.
Der Überwachungsstaat lässt grüßen
Das Riesen-Auge soll in Puccinis Oper den Überwachungsstaat des römischen Polizeichefs Scarpia symbolisieren, eine Idee von Regisseur Philipp Himmelmann und Set-Designer Johannes Leiacker. Scarpia begehrt die schöne Sängerin Floria Tosca, die aber in den Maler Mario Cavaradossi verliebt ist. Sein Kontrahent lässt ihn als vermeintlichen Hochveräter hinrichten, woraufhin sich Tosca das Leben nimmt. Cavaradossis Sturz aus 26 Metern Höhe in den See zählt zu den dramatischen Höhepunkten der Inszenierung. Schon 2007 sahen sie sich 164.000 Menschen an. Dem populären und publikumswirksamen «Spiel auf dem See» stellen die Festspiele jedes Jahr eine Opernrarität entgegen. Neuer Programmschwerpunkt der Festspielsaison ist das Werk des amerikanisch-österreichischen Komponisten Ernst Krenek (1900-1991). Im Mittelpunkt steht die Neuinszenierung von Kreneks Zwölfton-Oper «Karl V.» über den Herrscher des Mittelalters, die am Donnerstag im Festspielhaus Premiere feiert.
Hintergrund
Die Bregenzer Festspiele sind ein international bekanntes Kulturfestival in Österreich. Herzstück der mehrwöchigen Veranstaltung im Sommer ist das «Spiel auf dem See». Die Aufführungen auf der fest in den Bodensee gebauten Bühne sorgen jährlich für große Aufmerksamkeit. Die Geschichte der Festspiele begann 1946 auf zwei Kieskähnen - ein Theater hatte die Stadt damals nicht. Die Idee, den Bodensee als Bühne zu wählen, erwies sich als durchschlagender Erfolg. Heute verfügt das Festival mit Opern, Symphoniekonzerten, Theater und Film über ein Jahresbudget von 20 Millionen Euro. 2007 kamen rund 200.000 Besucher, ein Großteil davon aus Deutschland.
Rhomberg würdigte Krenek in seiner Eröffnungsrede als einen der wichtigsten österreichischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Oper «Karl V.» behandle die damals und heute hochaktuelle Frage einer möglichen friedlichen Vereinigung der europäischen Länder. Dies mache das Bemühen der Festspiele deutlich, sich auch aktuellen Themen zuzuwenden.
Von René Pollesch bis Sergej Eisenstein
Bis zum 23. August bietet das Kulturfestival in der Bodenseestadt rund 60 Veranstaltungen. Rund 190.000 Besucher werden erwartet. Zu dem Programm gehören neben den großen Operninszenierungen auch Symphoniekonzerte, Operetten und Theateraufführungen. Unter anderem gastiert das Hamburger Thalia-Theater mit dem Stück «Die Welt zu Gast bei reichen Eltern» des deutschen Dramatikers René Pollesch.
Auf der «Tosca»-Bühne findet im Rahmen der Festspiele auch noch ein weiteres außergewöhnliches Film-Erlebnis statt: Auf einer Leinwand inmitten der Opernkulisse wird am 15. August Sergej Eisensteins Monumentalfilm «Alexander Newski» gezeigt. Dazu spielt das Symphonieorchester Vorarlberg Prokofjews «Soundtrack» live auf der Seebühne. (nz/dpa)