22.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Welche Frau hielt ihn "zauberleicht angebunden"?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eine staatsgefährdende Liaison: Deutschlands großer Dichter und seine Gönnerin, die Mutter des Herzogs? Die beiden hatten eine Affäre, behauptet ein Jurist. Wissenschaftler nennen seine Methoden «unseriös».
Johann Wolfgang von Goethe und Weimars Herzogin Anna Amalia als heimliches Liebespaar: Diese These des Autors Ettore Ghibellino in seinem Buch «Eine verbotene Liebe?» hat die Klassik Stiftung Weimar als reine Erfindung und «Weimar-Legende» zurückgewiesen.
Der Ansatz des Autors sei historisch fragwürdig. Sein Kunst- und Literaturverständnis ist nach Einschätzung der Stiftung «derart einseitig biografisch, der Umgang mit Quellen so unreflektiert und selektiv, dass sich eine ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung eigentlich verbietet». Die Düsseldorfer Goethe-Expertin Heike Spies bezeichnete am Dienstag das Vorgehen Ghibellinos als «unseriös». Der Biograf «arbeitet mit Halbwissen und Halbwahrheiten», kritisierte die Literaturhistorikerin: «Er isoliert Schriftstücke, um daraus seine Thesen abzuleiten.»
Angeblich neue Belege«Der Spiegel» hatte in seiner jüngsten Ausgabe unter dem Titel «Goethes allmächtige Fee» eine erneute Debatte um das Liebesleben Goethes entfacht. Das Hamburger Nachrichtenmagazin bezog sich dabei auf die Thesen von Ghibellino, der zusammen mit Mitstreitern der von ihm gegründeten «Anna Amalia und Goethe Akademie» an diesem Freitag (25. Juli) auf einer Pressekonferenz in Weimar neue Belege vorlegen will.
«Ein deutsch-italienischer Jurist provoziert die Wissenschaft mit der kühnen These, Goethe habe eine Affäre mit seiner Gönnerin, der Herzogin Anna Amalia, gehabt», heißt es im «Spiegel». Nicht der geistvollen Charlotte von Stein, die bisher als platonische Liebe des jungen Dichters galt, waren demnach all die Liebesbriefe, Billetts und Zettelchen von Goethes Hand in den Jahren 1776 bis 1789 gewidmet.
Staatsgefährdende LiebeSie habe nur als eingeweihte und diskrete Überbringerin der Botschaften fungiert. Die Liebe zur Mutter des regierenden Herzogs Carl August sei staatsgefährdend gewesen und hätte deshalb geheim bleiben müssen. Anna Amalia (1739-1807) war zehn Jahre älter als Goethe.
In seinem bereits 2003 erschienenen Buch unternehme Ghibellino den Versuch, die Goethe-Forschung auf eine «neue Grundlage» zu stellen, erklärte die Stiftung. «In der Fachwelt hat sein Buch jedoch weder Interesse noch Unterstützung gefunden.» Allerdings vermarkte der Autor geschickt das große Interesse an der Person Goethes, «dabei auch voyeuristische Bedürfnisse des Publikums bedienend». (dpa)